Wer steht für was?
Ah, we’re in Europe now!», ruft Nora Chipaumire, «nobody talks!» Oh ja, wir sind in Europa. Mitten in Europa. In Hannover, genau gesagt, einer ziemlich mittelmäßigen Stadt, wie es später in einem anderen Stück heißen wird, beim Festival Theaterformen. Doch erstmal finden wir uns im Boxring einer Künstlerin wieder, die aus Simbabwe stammt und heute in New York City lebt, und die das Publikum ziemlich lautstark angeht – mit einem Schulterpanzer aus dem American Football und Schweißerbrille bewehrt und mit klarem Blick.
Denn Nora Chipaumire moderiert einen Kampf an. Einen Kampf, der sich als Ringen ihrer selbst mit einem Wiedergänger ihres Vaters entpuppen wird, und damit auch mit der Konstruktion des «schwarzen Mannes». Herausgefordert wird dabei aber auch die zuschauende weiße, mitteleuropäische Menschheit.
Nora Chipaumire: im Boxring der Identitäten
Denn beim Festival Theaterformen, das alternierend in Braunschweig und Hannover stattfindet, wird dieses Europa gleich in einer ganzen Reihe von Produktionen angesprochen und befragt – sei es als Gegenspieler der «Zweiten Welt», als Sehnsuchtsort und Fluchtpunkt, als Wertemaßstab für Identitätszuschreibungen wie bei Chipaumire oder ...
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Theater heute August/September 2017
Rubrik: Festivals, Seite 6
von Esther Boldt
»Ralph Peng war schon vorgeburtlich eine erstaunliche Erscheinung: Wie auf dem Ultraschall deutlich sichtbar, hat der kleine Ralph als Embryo seine Zwillingsschwester erwürgt, weil sie sich im Geburtskanal vordrängeln wollte. So beginnt ein Leben aus solidem Wettbewerbsgeist in einem gesunden Ego, das gerne über Fairness nachdenkt. Der kleine Racker entpuppt sich...
Eigentlich hatte sich die Teenagerin Emma für ein romantisches Date in der Eissporthalle präpariert. Nur leider fällt dem Date-Partner, «Peter aus der Zehnten», nichts Besseres ein, als abendfüllend auf die Leichenberge zu verweisen, die noch immer irgendwo unter dem Eis liegen: späte Opfer des Ceausescu-Regimes, die während der Aufstände Ende 1989 vom rumänischen...
Ein Festivalsommer der Schlussappläuse: Florian Malzachers letzte «Impulse», Neues aus Avignon, wo Frank Castorf noch einmal Abschied feiert, und von der Ruhrtriennale, deren Intendant Johan Simons seine dritte und letzte Saison einläutet. Oben Simon Stones «Ibsen House» in Avignon, rechts Swoosh Lieus «who cares» bei Impulse.
Die Redaktion muss erstmal ausspannen...
