Mainz: Ukulele Gottes
Heilig gesprochen wurde Hildegard von Bingen vor fünf Jahren. Papst Benedikt XVI. wünschte sich in einem Dekret, der Heilige Geist möge auch weiterhin «weise und mutige Frauen erwecken, die, indem sie die von Gott erhaltenen Gaben wertschätzen, ihren wertvollen und je eigenen Beitrag zum geistlichen Wachstum unserer Gemeinschaften und der Kirche in unserer Zeit leisten». So viel zum Frauenbild der katholischen Kirche.
Als der Papst zur Heiligsprechung schritt, war Hildegard von Bingen schon einige Zeit einigermaßen heilig, aber nicht, weil die seit ihren fünften Lebensjahr von Visionen geplagte Mystikerin, Naturforscherin, Dichterin, Komponistin, Äbtissin zu ihrer Zeit das Wort Gottes verkündete. Als sie der Welt eine ihrer ersten Visionen mitteilte, hörte sich das an, als habe eine Schwester von Moses den Gipfel der Verkündigung erklommen: «O, du gebrechlicher Mensch, Staub vom Erdenstaube, Asche von der Asche, rufe und verkünde von der makellosen Erlösung, damit jene unterwiesen werden, die das Mark der Schriften sehen, sie aber noch nicht verkündigen und predigen wollen.» Hildegard von Bingen ist heute das Role Model für ein vermeintlich natürlich-harmonisches Leben. Wer eine ...
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Theater heute August/September 2017
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Jürgen Berger
Es ist so puuuh, so äääh, geradezu uaargh: ein Bruderkuss, feindliche Soldaten reichen sich die Hände, Liebe und Versöhnung zum Finale. Der Schluss von Maria Milisavljevics «Beben» lässt einen sprachlos zurück ob seiner unverschämten Naivität – und gerade damit gelingt der Autorin ein Volltreffer. Milisavljevic hat nicht etwa ein Feelgood-Movie für die Bühne...
»Ralph Peng war schon vorgeburtlich eine erstaunliche Erscheinung: Wie auf dem Ultraschall deutlich sichtbar, hat der kleine Ralph als Embryo seine Zwillingsschwester erwürgt, weil sie sich im Geburtskanal vordrängeln wollte. So beginnt ein Leben aus solidem Wettbewerbsgeist in einem gesunden Ego, das gerne über Fairness nachdenkt. Der kleine Racker entpuppt sich...
Zum Glück war da dieser eine Kasten Bier zu viel, den Thalia-Betriebsdirektorin Karin Becker ins Foyer in der Gaußstraße geschleppt hatte, um sich zu bedanken: bei den vielen technischen und organisatorischen Helfern, die das 14. Körber Studio Junge Regie gestemmt hatten. Ein Kasten blieb übrig, und Karin Becker schaltete schnell: Da gab es doch jemand, der im...
