W-Fragen und Spiegelblicke
Kurz vor Spielzeitende geht doch noch mal was – und die Münchner Kammerspiele, die im rasanten Schlussspurt von Matthias Lilienthals zunehmend erfolgreicher Intendanz vom Virus so abrupt ausgebremst worden waren, sind schon am ersten Tag nach der Corona-Zwangspause gleich mit zwei pandemietauglichen Premieren am Start, deren Probenbeginn noch vor der Krise lag und die nun durch die Einschränkungen im Spielbetrieb nur kurz zu sehen sind.
Susanne Kennedy und Markus Selg haben ihre immersive Installation «Oracle» in der Kammer 2 von vier simultan geplanten Besuchern auf einen alle sechs Minuten umprogrammiert, und Enis Macis Auftragswerk «WUNDE R» wird von Felix Rothenhäusler in der kleinen Kammer 3 mit vier Spieler*innen in fester Sitzordnung und maximal 17 frei flanierenden Zuschauern inszeniert.
Profunde Suchbewegungen liegen beiden Arbeiten zugrunde: Die eine zielt auf den Spuren archaischer Spiritualität und mittels künstlicher Intelligenz ins Innere. «Oracle» ist in erster Linie ein in mythologischen Motiven optisch opulent schwelgendes Environment, das den Blick des Betrachters vielschichtig auf sich selbst zurückspiegeln möchte, dabei aber so bunt schillernd daherkommt, dass ...
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Theater heute August/September 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Silvia Stammen
Der Kampf mit einem «unsichtbaren Feind» (Zitat u.a. Angela Merkel) bringt uns alle in Lebenssituationen, die gleichermaßen ungewohnt wie ungemütlich sind, und so fremdeln wir alle – mehr oder weniger elegant, mehr oder weniger gekonnt – mit dem «neuen Normal» der (Post-)Corona-Realität. Sichtbares Accessoire dieses Kampfes, gewissermaßen Signum der eigenen...
Karin Winkelsesser Herr Friedrich, Ihr Entwurf für die Erweiterung des Theaterhauses Stuttgart nimmt sich geradezu bescheiden aus. 2018 hat Ihr Büro die Machbarkeitsstudie für die Sanierung der Städtischen Bühnen in Frankfurt vorgelegt und einen Bedarf von 900 Millionen Euro ermittelt. Ein Neubau wäre wohl sehr viel preiswerter. Sie bemängeln immer wieder die...
Ob sie das immer macht, wenn sie alleine ist? Oder ist es ein Spleen aus den langen einsamen Wochen des Lockdowns? Die Bühne im Bochumer Schauspielhaus hat sich verselbständigt. Minutenlang spielt sie ganz allein und in Perfektion: Schwere Bühnenzüge gleiten mit angeberischer Leichtigkeit auf und ab, formieren sich zu Rahmen, Treppen, endlosen schwarzen Ebenen,...
