10 Uhr: Liegen bleiben
Der radikale Shutdown ist vorüber, die Lockerungen nehmen zu, wir dürfen wieder Kneipen und Cafés besuchen. Von Fernreisen und dem Feiern großer Partys wird dennoch abgeraten. Viele leiden unter dem eingeschränkten Bewegungsradius, aber viele fragen sich auch, ob man nicht irgendeine Einsicht aus dem Shutdown mitnehmen könne, die Krise gar etwas pädagogisch Wertvolles habe. Ob zum Beispiel die Freiheit, jederzeit überallhin reisen zu dürfen, angesichts der ökologischen Lage überhaupt erhaltenswert sei.
Denn plötzlich nehmen wir wahr, dass die Welt auch im Energiespar-Modus noch ganz gut funktioniert, zumindest für uns Privilegierte, die nicht am Existenzminimum ums Überleben kämpfen.
Einen überraschend aktuellen Kommentar zu diesen Überlegungen bietet ein hundert Jahre alter Klassiker, «Das Buch der Unruhe» von Fernando Pessoa. Das umfangreiche, aber handlungsarme Werk besteht aus den Reflexionen des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares, der sich so seine Gedanken macht über die menschliche Existenz. Er sitzt tagaus, tagein in seinem Büro in der Rua dos Douradores in Lissabon und zelebriert die Kunst des Raushaltens. Formal ist dieser Roman irgendwo zwischen Tagebuch und ...
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Theater heute August/September 2020
Rubrik: Lektüresommer, Seite 50
von Rebekka Kricheldorf
Es ist ein Glücksfall für Adrienne Goehler, die Herausgeberin dieses Buches, dass das bedingungslose Grundeinkommen in der derzeitigen ökonomischen Situation wieder mehr diskutiert wird. Dabei hat Goehler auch sonst nie Scheu gezeigt, über Dinge zu sprechen, die gerade nicht auf der Tagesordnung stehen, und häufig wählt sie dabei einen Ansatz, den andere etwas...
Der Investitionsstau öffentlicher Ausgaben infolge der deutschen Sparpolitik in den letzten zwei, drei Jahrzehnten hat bei den Theatern zu einem fatalen Sanierungsstau geführt. Etwa 80 Prozent der mehr als 300 öffentlich geförderten Häuser gelten als sanierungsbedürftig, etwa 40 werden aktuell renoviert. Über die weiteren 1000 privaten Theater gibt es keine...
Vom 23. Juli an hätten die Olympischen Spiele in Tokyo stattgefunden. Wie so vieles andere auch wurden sie vorerst abgesagt. Hier drei Lektüre-Vorschläge für drei ganz verschiedene Reisen in das Land der aufgehenden Sonne.
Beginnen wir mit einem Buch, das mir sehr am Herzen liegt: die «Japanische Chronik» von Nicolas Bouvier. Ursprünglich wollte ich es als Podcast...
