«Denkt ins Offene, Freunde!»
Karin Winkelsesser Herr Friedrich, Ihr Entwurf für die Erweiterung des Theaterhauses Stuttgart nimmt sich geradezu bescheiden aus. 2018 hat Ihr Büro die Machbarkeitsstudie für die Sanierung der Städtischen Bühnen in Frankfurt vorgelegt und einen Bedarf von 900 Millionen Euro ermittelt. Ein Neubau wäre wohl sehr viel preiswerter. Sie bemängeln immer wieder die Explosion der Baukosten.
Jörg Friedrich In der Tat. Mit dieser Studie haben wir in Frankfurt eine Welle ausgelöst, die bis nach Stuttgart, Düsseldorf, Zürich und Berlin schwappte.
Wir waren von der Stadt aufgefordert, die Sanierung des Baubestands der Städtischen Bühnen zu evaluieren. Genau das haben wir gemacht, dabei allerdings die Wünsche der Stadt und der Theaterleute mit eingepreist. Es ging noch gar nicht um die architektonische Gestalt des Ganzen. Manchen Politikern war gar nicht klar, dass nur die Wiederherstellung, Ertüchtigung und technische Modernisierung der Frankfurter Doppelanlage aus den 1960er Jahren knapp eine Milliarde Euro kosten würde. Und von außen wäre davon nichts zu erkennen. Hier stellt sich natürlich die Frage nach der Zukunftsfähigkeit solcher Bauten: Wollen wir mit gewaltigem Aufwand ein ...
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Theater heute August/September 2020
Rubrik: Theaterarchitektur, Seite 37
von Karin Winkelsesser
/ markiert eine unterbrechung
… markiert eine pause
– zeigt an, dass eine neue person spricht
*** markiert den beginn einer neuen szene, in der die besetzung neu gemischt werden kann
♫ kennzeichnet die folgende rede als gesang
im chor sprechen alle, mit der ausnahme der vorrednerin/nen
mindestens 4 spielerinnen
Figuren:
ICH
ICH
ICH
ICH
ICH
ICH
ICH
ICH
ICH
ICH
ICH
...
Der Investitionsstau öffentlicher Ausgaben infolge der deutschen Sparpolitik in den letzten zwei, drei Jahrzehnten hat bei den Theatern zu einem fatalen Sanierungsstau geführt. Etwa 80 Prozent der mehr als 300 öffentlich geförderten Häuser gelten als sanierungsbedürftig, etwa 40 werden aktuell renoviert. Über die weiteren 1000 privaten Theater gibt es keine...
Man wird sich an solche Anblicke für eine Weile gewöhnen müssen: jede zweite Reihe leer, in den anderen jeder dritte Platz besetzt. Wenn sich erwartungshochgespannte Premierenzuschauerräume nicht zuletzt dank zahlreich anwesender schmallippiger Kritiker*innen für die Schauspieler*innen ohnehin anfühlen wie ein weit geöffneter Kühlschrank, dann kommt es jetzt noch...
