Von Machtmenschen und Landarbeitern
Im Winterlockdown produzieren die Theater Konserven. Nicht wie im Frühlingslockdown, als die Theater nur von alten Konserven lebten. Nun werden Vorräte für den Frühling oder Sommer angelegt. Für irgendwann, wenn es wieder losgeht mit der leiblichen Kopräsenz. Die Streaming-Premieren sind nur Geschmacksproben für später Wiederaufzuwärmendes.
So zielt Jürgen Flimms Inszenierung von Schillers «Don Karlos» im Kölner Schauspiel ganz auf ein präsentes Publikum ab.
Immerhin verschwand diese Premiere nicht sofort in der Konservenbüchse wie viele der jetzt gezeigten Livestream-Premieren, sondern war einen Monat lang in der Mediathek des WDR zu bewundern. Der 79-jährige ehemalige Kölner Intendant inszeniert noch so, wie man ihn in Köln in Erinnerung hat: pfiffig, kontrastreich, kurz und allgemeinverständlich. Das Schillersche Dramenmonstrum wird handlich eingekürzt, und dass man dann im vierten Akt den Überblick verliert, passt gut zur Kritik an Posas machtpolitischen Machinationen, mit denen er die Freiheit retten will. An diesem Widerspruch soll – nach Schiller – ja die ganze Posa-Figur kranken.
Flimm stellt die alte Geschichte vom spanischen König Philipp und seinem missratenen Sohn ...
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Theater heute Februar 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 46
von Gerhard Preußer
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