Wir sind auch nicht nur Menschen
Emilia heißt das Neugeborene, dessen Kollektiv-Co-Mutter ich gerade geworden bin. Ihr Geschlecht hat ein Zufallsgenerator bestimmt. Zuvor wurden wir, das Online-Publikum von Interrobangs theatraler Zoomkonferenz «Livestream: Familiodrom», nach der Intensität unseres Kinderwunsches und dem sozio-ökonomischen Milieu befragt, in das das potenzielle neue Leben hineinwachsen würde: bürgerliche Mitte, überwiegend weiß, und mäßig enthusiastisch, was Fortpflanzung betrifft.
Aber jetzt ist Emilia da, benannt nach dem ersten pädagogischen Bestseller, der gleich nach seinem Erscheinen 1762 verboten wurde: «Émile ou de l’Éducation».
Immer wieder kommt die Performance auf den französisch-schweizerischen Philosophen Jean-Jacques Rousseau zurück, der in seinem Werk vor allem ein Fernhalten des Beispielkindes Émile von den sozialen Rollen und Konventionen der Gesellschaft und ein möglichst «naturbelassenes» Aufwachsen auf dem Land proklamierte. Nicht ohne gewisse Widersprüche zu erwähnen, die Rousseaus Kompetenz durchaus schmälern könnten wie der Umstand, dass er die fünf Kinder, die er mit seiner Partnerin Thérèse Levasseu zeugte, allesamt direkt ins Waisenhaus gab. Werden wir als ...
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Theater heute Februar 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 48
von Eva Behrendt
Seit einigen Jahren schon besucht das Wort die Höfe entlang der Allee von Boutsemtenga und spricht auf erleuchteten Stelen vom Leben. Um zu erscheinen, setzt sich das Wort in Szene. Dieses Jahr hat es beschlossen, sich aufzulehnen. Aus dem sumpfigen Verzicht und der Müdigkeit erhebt es sich gegen die Versklavung der Körper und Gedanken.» Felwine Sarr, der diese...
Was, wenn die Krise kein Zusammenbruch wäre? Keine Katastrophe, sondern der Anfang von etwas Neuem? Was, wenn die Krise eine Gesellschaft überwinden würde, die gebaut ist auf Abwertung, auf Hass, auf Entfremdung? «Sexualisierte Gewalt, Homophobie, Transphobie!», kann alles weg. Und die neue Welt, die dann beginnt, wäre eine aus cooler Musik, aus Zärtlichkeit und...
Vielleicht brauchte es den Abstand von dreißig Jahren, um dieses Stück in seinen weit ausgreifenden gesellschaftskritischen Dimensionen auszumessen. Den Blick eines klugen Regisseurs und hellwacher Spieler*innen, die sich dem Stoff mit ihrer eine Generation jüngeren Weltsicht nähern. «Einfach das Ende der Welt» ist die Geschichte vom verlorenen Sohn Louis, in...
