Über Buhmann gespielt
Wer sich in seinem Weltbild eingerichtet hat – und wer hätte das in gewisser Weise nicht –, sucht nicht unbedingt oft Gelegenheit, mit Verfechtern anderer Entwürfe darüber zu diskutieren. Dabei bleibt argumentatives Sparring mit Andersgesinnten – es muss gar nicht bis zur Extremdisziplin «mit Rechten reden» gehen – wichtig, um den eigenen Blick zu schärfen, vielleicht sogar zu erweitern.
Die kanadische Dokumentartheatergruppe Porte Parole aus Montreal hat dazu 2017 mit «The Assembly» ein Performanceformat auf der Basis einer inszenierten Gesprächsrunde erfunden, das bereits in verschiedenen Städten umgesetzt und nun von den Münchner Kammerspielen als «wirklichkeitsnahes Schauspiel» in der Regie von Chris Abraham zunächst analog produziert und dann in eine Hybridform aus aufgezeichnetem Video und Live-Sequenzen digitalisiert wurde.
Wortführer sind vier aufgrund ihrer unterschiedlichen Lebenshintergründe und -anschauungen ausgewählte Münchner*innen, die im Sommer 2020 von den Schauspielerinnen Annette Paulmann und Wiebke Puls zu einem Essen mit moderiertem Gedankenaustausch eingeladen wurden. Das Transkript der Konversation bildet die Grundlage des Reenactments, das in der ...
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Theater heute Februar 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 44
von Silvia Stammen
Breitbeinig steht er da, der schmalbrüstige Jüngling Woyzeck, dünn und blass und rätselhaft. Winzige Gebärden, etwa ein leicht zur Seite geneigter Kopf, zeugen von seinem Weltverlust. Steifhalsig lehnt er sich schräg nach hinten, wenn jemand zu ihm spricht. Sylvana Krappatsch kann beides glaubwürdig spielen: gestandene Frauen und junge Männer, ja sogar Kinder. In...
Emilia heißt das Neugeborene, dessen Kollektiv-Co-Mutter ich gerade geworden bin. Ihr Geschlecht hat ein Zufallsgenerator bestimmt. Zuvor wurden wir, das Online-Publikum von Interrobangs theatraler Zoomkonferenz «Livestream: Familiodrom», nach der Intensität unseres Kinderwunsches und dem sozio-ökonomischen Milieu befragt, in das das potenzielle neue Leben...
Wenn einer in die Eckkneipe wankt und lauthals «Ich bin nicht Hamlet!» nölt, dann wird es sich der Wirt zweimal überlegen, ob er ihm noch einen Schnaps gibt oder nicht. In der «Wartburg» in Jena aber schiebt Rolfe hinter der Theke gleich das Bier hin, und die Stammgäste warten nur darauf, dass der Monolog nun anhebt. Ob der von Heiner Müller ist oder sonstwem,...
