Vaterschmerz

Thomas Laue über Biljana Srbljanovics «Das Leben ist kein Fahrrad»

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Die serbische Autorin Biljana Srbljanovic wurde im Januar 2010 ans Wiener Burgtheater einge­laden, um dort in der Reihe «Kakanien – Neue Republik der Dichter» eine Rede über neue Identitäten auf dem Gebiet der alten Donaumonarchie zu halten. Es ist eine beeindruckend persönliche Rede geworden, in der sie über den Tod ihres Vaters spricht. Dessen Biografie durch alle politischen Veränderungen hindurch wird ihr zum exemplarischen Psychogramm eines serbischen «Everyman», wie sie den Vater nennt.

Zugleich ist und war eben diese Biografie zeitlebens Ausgangspunkt einer komplizierten, immer Kampf und Auseinandersetzung suchenden Vater-Tochter-Beziehung. Berührend und mit großem Humor, gepaart mit dem ihr eige­nen streitbaren Furor schlägt Biljana Srbljanovic in dieser Wiener Rede den Bogen vom kranken Vater zum mühsamen Versuch eines angeschlagenen Volkes, innerhalb der europäischen Volksgemeinschaft zu gesunden. Immer verbunden mit ihrer eigenen Suche nach der passenden Identität zwischen Belgrad, Paris und Baku in Aserbaidschan, wo die Dramatikerin inzwischen ein temporäres Leben als Diplomatengattin führt.

Zu Beginn ihrer Rede beschreibt sie, wie sie den Vater, diesen Baum von einem ...

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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Die neuen Stücke, Seite 169
von Thomas Laue

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