Warteraum Vergangenheit
Beschwerdebriefe, so hat es Oliver Kluck einmal erzählt, seien der Auslöser gewesen. Durch wohlformulierte, an den obersten Dienstherrn gerichtete Widersprüche, die er – strafversetzt in die Bundeswehrbibliothek – während seiner Grundausbildung verfasste, hätte er zum dramatischen Schreiben gefunden. Selbst wenn Kluck hier geschwindelt haben sollte, liegt doch eine Menge Wahrheit in dieser Selbstauskunft. Denn ganz offensichtlich ist da jemand gekommen, um sich zu beschweren.
Alle Kluck-Stücke sind virtuose Erregungen, befeuert von der Ohnmacht ihrer Figuren angesichts einer sie überfordernden, täglich komplexer werdenden Gesellschaft.
Die Frage, die sie stellen, ist die Systemfrage. Drunter macht es dieser Autor nicht. Wenn das «Prinzip Meese», wie es in Klucks Debüt heißt, «das Finden der eigenen Verwirrung» ist, geht das «Prinzip Kluck» noch darüber hinaus: Es entlädt sich in der furiosen Rebellion gegen diese Verwirrung. Auch sein neuestes Stück «Die Froschfotzenlederfabrik» beginnt mit einem Brief, der neben bizarren Andeutungen Daniel Kehlmann betreffend die durchaus populäre Erlösungsfantasie eines bedingungslosen Grundeinkommens in Zweifel zieht und bereits sein großes ...
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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Die neuen Stücke, Seite 163
von Florian Hirsch
Luton ist eine mittelgroße Stadt in Mittelengland. Die letzte Industrieproduktion schloss 2002 ihre Werkstore, allein der Flughafen mit den Starts der Billigflieger wächst. Luton wurde im II. Weltkrieg großflächig von deutschen Bomben zerstört.
Ein Sommernachmittag in Luton, eine Schülerin wird von ihrem Freund von der Orchesterprobe abgeholt. Der Freund ist ein...
Wer sich gefragt hat, wo eigentlich Elfriede Jelineks Text oder Stück zum Fall Josef Fritzl bleibt – hier ist er oder es. «FaustIn and out» schaut in die Hölle, die sich vierundzwanzig Jahre lang in einem unterkellerten Haus in Amstetten in Österreich befand. Der mittlerweile zu lebenslanger Haft verurteilte Fritzl hatte seine Tochter im Keller eingesperrt, mit...
Was, euch gibt’s noch? Ich dachte, die haben den Laden schon längst dichtgemacht ...!» Mit dem Gestus des allergrößten Erstaunens bekommen diesen Satz seit mehr als einem Jahr die Beschäftigten der Wuppertaler Bühnen beinahe täglich zu hören. Nicht nur landauf, landab in Kneipen und Theaterkantinen oder in Telefongesprächen, sogar in der eigenen Stadt wird man...
