Warteraum Vergangenheit
Beschwerdebriefe, so hat es Oliver Kluck einmal erzählt, seien der Auslöser gewesen. Durch wohlformulierte, an den obersten Dienstherrn gerichtete Widersprüche, die er – strafversetzt in die Bundeswehrbibliothek – während seiner Grundausbildung verfasste, hätte er zum dramatischen Schreiben gefunden. Selbst wenn Kluck hier geschwindelt haben sollte, liegt doch eine Menge Wahrheit in dieser Selbstauskunft. Denn ganz offensichtlich ist da jemand gekommen, um sich zu beschweren.
Alle Kluck-Stücke sind virtuose Erregungen, befeuert von der Ohnmacht ihrer Figuren angesichts einer sie überfordernden, täglich komplexer werdenden Gesellschaft.
Die Frage, die sie stellen, ist die Systemfrage. Drunter macht es dieser Autor nicht. Wenn das «Prinzip Meese», wie es in Klucks Debüt heißt, «das Finden der eigenen Verwirrung» ist, geht das «Prinzip Kluck» noch darüber hinaus: Es entlädt sich in der furiosen Rebellion gegen diese Verwirrung. Auch sein neuestes Stück «Die Froschfotzenlederfabrik» beginnt mit einem Brief, der neben bizarren Andeutungen Daniel Kehlmann betreffend die durchaus populäre Erlösungsfantasie eines bedingungslosen Grundeinkommens in Zweifel zieht und bereits sein großes ...
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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Die neuen Stücke, Seite 163
von Florian Hirsch
Ein Schauspieler ist er nicht, er will kein Schauspieler sein. Seine Kollegen mögen Schauspieler sein, was für ihn heißt: Mensch-Maschinen. Er will sich nicht verbiegen. Sich Figuren zu widmen, hat er nicht nötig. Ihm reicht es, er selbst zu sein, und er ist sich sicher, dass er mit der Zur-Schau-Stellung seiner Tagesform dem Publikum das größte nur denkbare...
Die serbische Autorin Biljana Srbljanovic wurde im Januar 2010 ans Wiener Burgtheater eingeladen, um dort in der Reihe «Kakanien – Neue Republik der Dichter» eine Rede über neue Identitäten auf dem Gebiet der alten Donaumonarchie zu halten. Es ist eine beeindruckend persönliche Rede geworden, in der sie über den Tod ihres Vaters spricht. Dessen Biografie durch alle...
Wut ist Teil meines Theaters. Obwohl ich sehr liebevoll mit den Leuten arbeite. Aber schon was ich behandle, hat sehr viel mit Wut zu tun. Zum einen mit einer verbreiteten Art, Theater zu spielen, an der ich als Schauspieler verzweifelt bin. Wo ich gerne selbst viel weiter gegangen wäre, bin ich runtergedrückt und weggeputzt worden. Als Regisseur habe ich auf...
