Warteraum Vergangenheit

Florian Hirsch über Oliver Klucks «Die Froschfotzenlederfabrik»

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Beschwerdebriefe, so hat es Oliver Kluck einmal erzählt, seien der Auslöser gewesen. Durch wohlformulierte, an den obersten Dienstherrn gerichtete Widersprüche, die er – strafversetzt in die Bundeswehrbibliothek – während seiner Grundausbildung verfasste, hätte er zum dramatischen Schreiben gefunden. Selbst wenn Kluck hier geschwindelt haben sollte, liegt doch eine Menge Wahrheit in dieser Selbstauskunft.  Denn ganz offensichtlich ist da jemand gekommen, um sich zu beschweren.

Alle Kluck-Stücke sind virtuose Erregungen, befeuert von der Ohnmacht ihrer Figuren angesichts einer sie überfordernden, täglich komplexer werdenden Gesellschaft.

Die Frage, die sie stellen, ist die Systemfrage. Drunter macht es dieser Autor nicht. Wenn das «Prinzip Meese», wie es in Klucks Debüt heißt, «das Finden der eigenen Verwirrung» ist, geht das «Prinzip Kluck» noch darüber hinaus: Es entlädt sich in der furiosen Rebellion gegen diese Verwirrung. Auch sein neuestes Stück «Die Froschfotzenlederfabrik» beginnt mit einem Brief, der neben bizarren Andeutungen Daniel Kehlmann betreffend die durchaus populäre Erlösungsfantasie eines bedingungslosen Grundeinkommens in Zweifel zieht und bereits sein großes ...

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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Die neuen Stücke, Seite 163
von Florian Hirsch

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