Auf produktiven Hass warten
Ich soll nun schreiben «Ich habe eine Wut auf ...», bin aber das Gegenteil eines «angry old man» und denke so oft an mein momentanes Wohlergehen, dass ich dazu neige, solche «Wutgefühle» wegzupusten, auch um dadurch zu vergessen, zu verdrängen: Sie würden meiner übriggebliebenen Kreativität oder Lust auf Theater, Oper und Literatur im Wege stehen.
Es halten mich mit Sicherheit einige für opportunistisch, weil ich als Festivaldirekor Projekte fördere, die ich von meinem Werdegang her eigentlich hassen müsste: Sie bringen meine dafür gehaltene Theatersicht unter die Erde!
Ich bin anders geflochten und glaube, dass die Dinge, die sich ändern, so sind, weil sie so sind und das Theater eine fragwürdige Angelegenheit ist, die sich grundsätzlich nur durch das Herandämmern eines neuen Dramatikers belebt. Da, wo es Hass geben könnte, ist Faulheit und neue Konventionalität – da, wo ich beobachte, dass Regisseure überall gleichzeitig sind. In jedem größeren Stadttheater tauchen dieselben Namen auf, von euch gekürte Namen, die jedes Jahr sechs bis sieben Stücke machen, rasch, gedankenlos, von TV-Kanälen inspiriert und wie verrückt unter Druck stehend – sagen Sie mir, welchen? Wir altern und ...
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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Luc Bondy, Seite 17
von Luc Bondy
Nach der Erzählung eines Bekannten … (der einen Antrag stellte zur finanziellen Förderung eines Theaterprojekts. Und weshalb gesprochen werden konnte, und deshalb umgehend die Gelder geflossen sind.)
Ich würde gerne einen Antrag auf Gelder schreiben und stellen, und darin mit meiner erworbenen Kompetenz glänzen und wissen, dass die am anderen Ende verstanden wird...
Die Polizei in Großbritannien arbeitet seit einigen Jahren im Bereich der Schwerkriminalität mit einer Datenbank mit Namen HOLMES. Offiziell das Kürzel für «Home Office Large Major Enquiry Systems», doch ebenso inoffiziell wie offensichtlich eine Hommage an den fiktionalen Meisterdetektiv Sherlock Holmes. «Ich liebe Krimis», sagt der englische Dramatiker Simon...
Immer wieder wird an einen Intendanten, so jedenfalls meine Erfahrung, der Wunsch herangetragen, etwas zu produzieren, wo man «so richtig doof ablachen» kann. Man fragt sich: Wo kommt dieser Wunsch her? Die Menschen, die es sich wünschen, über etwas «richtig doof abzulachen», könnten sich diesen Wunsch ja leicht erfüllen, indem sie in den Spiegel gucken....
