Auf produktiven Hass warten
Ich soll nun schreiben «Ich habe eine Wut auf ...», bin aber das Gegenteil eines «angry old man» und denke so oft an mein momentanes Wohlergehen, dass ich dazu neige, solche «Wutgefühle» wegzupusten, auch um dadurch zu vergessen, zu verdrängen: Sie würden meiner übriggebliebenen Kreativität oder Lust auf Theater, Oper und Literatur im Wege stehen.
Es halten mich mit Sicherheit einige für opportunistisch, weil ich als Festivaldirekor Projekte fördere, die ich von meinem Werdegang her eigentlich hassen müsste: Sie bringen meine dafür gehaltene Theatersicht unter die Erde!
Ich bin anders geflochten und glaube, dass die Dinge, die sich ändern, so sind, weil sie so sind und das Theater eine fragwürdige Angelegenheit ist, die sich grundsätzlich nur durch das Herandämmern eines neuen Dramatikers belebt. Da, wo es Hass geben könnte, ist Faulheit und neue Konventionalität – da, wo ich beobachte, dass Regisseure überall gleichzeitig sind. In jedem größeren Stadttheater tauchen dieselben Namen auf, von euch gekürte Namen, die jedes Jahr sechs bis sieben Stücke machen, rasch, gedankenlos, von TV-Kanälen inspiriert und wie verrückt unter Druck stehend – sagen Sie mir, welchen? Wir altern und ...
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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Luc Bondy, Seite 17
von Luc Bondy
Drei Flugbegleiterinnen, namenlos, gefangen im interkontinentalen Streckennetz. Ihre Rolle zwingt sie, sich inmitten des sie umgebenden unaufhörlichen Treibens dem Korsett genau choreographierter Bewegungsabläufe anzupassen. Ihr Sprechen ist lehrgangsgeschult. Ihr Umgang mit problematischen Fluggästen entnehmen sie dem Handbuch zur Psychologie von Angstpatienten....
Luton ist eine mittelgroße Stadt in Mittelengland. Die letzte Industrieproduktion schloss 2002 ihre Werkstore, allein der Flughafen mit den Starts der Billigflieger wächst. Luton wurde im II. Weltkrieg großflächig von deutschen Bomben zerstört.
Ein Sommernachmittag in Luton, eine Schülerin wird von ihrem Freund von der Orchesterprobe abgeholt. Der Freund ist ein...
Als Sie alle das «Verrückte Blut» im vergangenen Jahr herausgebracht haben, tobte gleichzeitig die Sarrazin-Debatte. Ihre gefeierte und auch beim Berliner Theatertreffen gezeigte Aufführung handelt von einer konfliktgeladenen Schulklasse und spielt mit den Klischees, aber auch den Wahrheiten von muslimischen Macho-Jungs und vermeintlich unterwürfigen...
