Auf produktiven Hass warten

Weil wir nichts anderes können, machen wir tüchtig weiter. Von Luc Bondy.

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Ich soll nun schreiben «Ich habe eine Wut auf ...», bin aber das Ge­genteil eines «angry old man» und denke so oft an mein momen­tanes Wohlergehen, dass ich dazu neige, solche «Wutgefühle» wegzupusten, auch um dadurch zu vergessen, zu verdrängen: Sie würden meiner übriggebliebenen Kreativität oder Lust auf Theater, Oper und Literatur im Wege stehen.

Es halten mich mit Sicherheit einige für opportunistisch, weil ich als Festivaldirekor Projekte fördere, die ich von meinem Werdegang her eigentlich hassen müsste: Sie bringen meine dafür gehaltene Theatersicht unter die Erde!

Ich bin anders geflochten und glaube, dass die Dinge, die sich ändern, so sind, weil sie so sind und das Theater eine fragwürdige Angelegenheit ist, die sich grundsätzlich nur durch das Herandämmern eines neuen Dramatikers belebt. Da, wo es Hass geben könnte, ist Faulheit und neue Konventionalität – da, wo ich beobachte, dass Regisseure überall gleichzeitig sind. In jedem größeren Stadttheater tauchen dieselben Namen auf, von euch gekürte Namen, die jedes Jahr sechs bis sieben Stücke machen, rasch, gedankenlos, von TV-Kanälen inspiriert und wie verrückt unter Druck stehend – sagen Sie mir, welchen? Wir altern und ...

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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Luc Bondy, Seite 17
von Luc Bondy

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