Der Zufall möglicherweise
Anja Hillings «Reigen. Variationen» eine Überschreibung zu nennen, wäre eine Übertreibung – oder Untertreibung, je nach Perspektive. Die Autorin nimmt Anleihen bei der Versuchsanordnung von Schnitzlers Klassiker und dessen typisiertem Personal, erfindet aber ein vollkommen eigenständiges Stück, das klar im Heute angesiedelt ist. Sie erzählt von getriebenen, einsamen Großstadtnomad:innen und vom Klimawandel als poetischer Utopie einer neuen Gemeinschaftlichkeit.
Die süßen Mädel und die Verführungsversuche im Chambre séparée fehlen ge -nauso wie die vielsagenden Gedankenstriche, wenn die Verführung – oder Nötigung – glückt. «Erotik ist in diesem Spiel nicht als körperlicher Reflex zu verstehen», schreibt Hilling im Regularium, das sie dem Stück voranstellt, «sondern als Mittel, das Verständnis von sich selbst in Frage zu stellen und gesellschaftliche Grenzen einzureißen.» Dass die Figuren einander berühren, ist hier ganz existenziell, passiert nur vereinzelt körperlich und ist, wenn es geschieht, nur andeutungsweise sexuell aufgeladen.
Bei Hilling sind es fünf Figuren, die die gesellschaftliche Hierarchie abstecken und sich zunächst jeweils zu zweit begegnen. Sie treffen sich, ...
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Theater heute Jahrbuch 2026
Rubrik: Neue Stücke, Seite 136
von Katrin Michaels
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