Der Zufall möglicherweise

Anja Hilling «Reigen. Variationen»

Theater heute - Logo

Anja Hillings «Reigen. Variationen» eine Überschreibung zu nennen, wäre eine Übertreibung – oder Untertreibung, je nach Perspektive. Die Autorin nimmt Anleihen bei der Versuchsanordnung von Schnitzlers Klassiker und dessen typisiertem Personal, erfindet aber ein vollkommen eigenständiges Stück, das klar im Heute angesiedelt ist. Sie erzählt von getriebenen, einsamen Großstadtnomad:innen und vom Klimawandel als poetischer Utopie einer neuen Gemeinschaftlichkeit.

Die süßen Mädel und die Verführungsversuche im Chambre séparée fehlen ge -nauso wie die vielsagenden Gedankenstriche, wenn die Verführung – oder Nötigung – glückt. «Erotik ist in diesem Spiel nicht als körperlicher Reflex zu verstehen», schreibt Hilling im Regularium, das sie dem Stück voranstellt, «sondern als Mittel, das Verständnis von sich selbst in Frage zu stellen und gesellschaftliche Grenzen einzureißen.» Dass die Figuren einander berühren, ist hier ganz existenziell, passiert nur vereinzelt körperlich und ist, wenn es geschieht, nur andeutungsweise sexuell aufgeladen.

Bei Hilling sind es fünf Figuren, die die gesellschaftliche Hierarchie abstecken und sich zunächst jeweils zu zweit begegnen. Sie treffen sich, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2026
Rubrik: Neue Stücke, Seite 136
von Katrin Michaels

Weitere Beiträge
Mehr Coaching als Kummerkasten

Leonard Haverkamp Rahel Hubacher, wie muss man sich einen typischen Tag im Leben einer Ensemblepsychologin vorstellen?
Rahel Hubacher Diese Tätigkeit findet in Elementen zwischen meinem Beruf als Schauspielerin statt, weil sich der Bedarf zeitlich nicht voraussehen lässt. Jetzt bin ich zum ersten Mal für eine Zeit nicht parallel in Proben, darauf freue ich mich,...

Überlegungen zu einem digitalen Surrealismus

Theater heute Auf die Idee, mit Ihnen über Künstliche Intelligenz zu sprechen, sind wir durch Ihr Stück «Es sagt, es liebt uns» gekommen. Zum Warmwerden vielleicht erstmal zwei Zitate, die das Spektrum vermessen. Der Shakespeare-Forscher Stephen Greenblatt hat neulich in einem Interview gesagt: «Was mir Angst macht, ist die künstliche Intelligenz, dieses vollkommen...

Geschichten im Loop

Es ist eine besondere Phase im Leben: der Übergang zum Erwachsensein. Vor einem der Möglichkeitshorizont eigener Entscheidungen. Am besten Seite an Seite mit engen Freunden – um nicht zu sagen der Wahlfamilie – kann das Leben jetzt richtig beginnen. Mascha und Tonja sind solche Freundinnen.

Doch der historische Moment, in dem das eigenständige Leben anbrechen...