Theatrale Ausnahmezustände

Ferdinand Schmal verzichtet für diesen Text sogar auf einen Buchstaben

Theater heute - Logo

Und natürlich könnte ich hier jetzt mit großer Geste die Utopie eines Theaters des Verzichts proklamieren. Was braucht es denn mehr als die paar Bretter, die die Welt bedeuten, und ein paar Leute, zur Not auch Lai:innen, die sich da rauf stellen, um uns hier unten zu belustigen. Wir packen ein paar Kostüme auf den Leiterwagen und ziehen los, ganz wie in alten Zeiten. Ja … naja. Die Wahrheit ist, je länger ich darüber nachdenke, was man denn weglassen könnte, ohne dass dabei zu viel des Ganzen verloren geht, desto mehr komme ich drauf, dass ich auf nichts verzichten will.

Nicht auf das Licht oder den Ton, nicht auf den Samtvorhang oder die Kantine, nicht auf die Kostümschneide -reien oder den Jugendklub, nicht auf die Marketingabteilung oder die Mettbrötchen, nicht auf die Probebühne oder das Klopersonal, nicht auf den Kristallluster oder die Kompar -serie. Das alles ist unverzichtbar. Das alles ist Teil dieses herrlich verschwenderischen Akts, den wir Theater nennen. Das Theater verzichtet einfach nicht gern. Obwohl es den Mangel liebt, das Fehlen, ja sogar den Hunger. Aber aus freien Stücken zu verzichten? Nein danke. Der Verzicht als die Positivierung dieses Mangels, als ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2023
Rubrik: Verzicht, Seite 70
von Ferdinand Schmal

Weitere Beiträge
Sechs Bäume in sechs Jahren

Gleich zu Beginn des Jahrtausends hat BP folgende rhetorische Frage mit 250 Millionen Werbeetat ins Rennen geschickt: Sollten wir nicht alle individuell was ändern müssen? Wir, die Konsum-Mäuse, anstelle der großen Player. Ab 2001 jedenfalls konnte maus auf der BP-Website nachrechnen, was für einen Fußabdruck sie täglich hinterließ. So ein Käse! Die großen...

Endlich!

Eine Einladung, in Erinnerungen zu schwelgen», verspricht die spiralgebundene Drei-Kilo-Chronik «Kampf ums Paradies», die sich das Deutsche Theater zum Ende der Ära Khuon geschenkt hat. Tatsächlich sind hier nicht nur die 384 Premieren verzeichnet, die die Riesenmaschine Deutsches Theater in 14 Spielzeiten – das sind im Schnitt 27,5 Premieren pro Saison –...

Deutschsprachige Erstaufführungen 2023/23

Tove Appelgren
Honey (piccolo teatro Haventheater Bremerhaven)

Steven Berkoff
Die Verwandlung (Theater Regensburg) 
Bahram Beyzaie
Yazdgerds Tod (Schauspiel Köln)

Anna Carlier
Krone (Theater, Oper und Orchester Halle)

Fatima Daas
Die jüngste Tochter (Theater an der Parkaue Berlin) 
Tove Ditlevsen
Gesichter (Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin)

Selina Fillinger
...