Wo bleibt der Bus zum Happy End?

Svealena Kutschke «no shame in hope – eine Jogginghose ist ja kein Schicksal»

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Ein Nicht-Ort: eine trostlose Haltestelle, eine kaputte Ampel und ein heruntergekommener Imbiss. Natürlich mit Nieselregen. Eine beliebige Kreuzung in einer beliebigen Stadt wie, sagen wir mal, Oberhausen. Nirgendwo und überall zugleich.

Im Imbiss sitzen die drei Frauen* Luca, Carla und Linn, die sich im Maschinenraum der Psyche oder auch dem Kraftcenter der Krise – vielleicht auch: einer psychiatrischen Klinik – begegnet sind und nun mehr oder weniger austherapiert auf den nächsten Abschnitt ihres Lebens warten. Also auf das Happy End.

Oder erst einmal auf den Bus, der aber nicht kommt. Die drei haben ihre Wunden begutachtet und bearbeitet (siehe hierzu das Prequel-Stück «glow in the dark!»). Die Wunden, das sind Leid und Traumata, vielleicht Depressionen, vielleicht Burnout, vielleicht Angstzustände, vielleicht aber auch der Kapitalismus oder der Neoliberalismus. Bestimmt aber spürt eine jede die ganze Tristesse der Verletzbarkeit und das komplette Alphabet des Schmerzes in sich. Nicht nur in ihren Seelen, sondern auch in ihren (Frauen-)Körpern, die sich nicht mehr messen lassen wollen mit einer vorgegebenen Norm. Ist Cellulite nicht sogar romantisch?

Zusammengeschweißt zu einer ...

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Theater heute Jahrbuch 2023
Rubrik: Neue Stücke, Seite 156
von Saskia Zinsser-Krys

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