Theaterheimat
Was ist bemerkenswert? Neben all dem wunderbar gespielten und intelligent durchdachten Großstadttheater, das die Theatertreffen-Auswahl wie jedes Jahr beherrscht, sollte man auch bemerken, dass das deutsche Stadttheater gelegentlich ein paar Anstrengungen unternimmt, um aus seinem Lieblingsbereich, dem intellektuell aufgeschlossenen Spätbürgertum, auszubrechen und von seiner Lieblingsaufgabe, der aufklärenden Unterhaltung und produkti-ven Verunsicherung, abzuweichen, und sich neue Zielgruppen und Aufgaben sucht.
Das hat oft etwas Willkürliches, Plötzliches, meist mangelt es an Kontinuität. Aber dass durch die deutschen Stadttheater mal wieder eine Welt sozialen Verantwortungsgefühls geht, ist eine Bemerkung wert.
Das Schauspiel Essen ist hier relativ früh und eifrig vorgeprescht. Nach einem halben Jahr Vorbereitungsarbeit hatte am Ende der letzten Spielzeit das Projekt «Homestories» mit Jugendlichen aus dem Essener Stadtteil Katernberg Premiere. Der Regisseur und Autor Nuran Calis hat zusammen mit der Theaterpädagogin Ines Habich ein Programm erarbeitet, in dem die Jugendlichen ihre eigenen Geschichten erzählen, Geschichten aus der Heimat, wo immer die ist oder war: Angola, ...
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Scharlatan oder Genie? Semantischer Faulpelz oder Meister des Nicht-Gesagten? Am norwegischen Mode-Autor Jon Fosse und seinen wortkargen Dramen scheiden sich die Kritiker. Für Regisseure aber bieten diese Leerstücke dank reduziertem Personal, limitierter Psychologie und beschränkter Alltagssprache viele Sinn-Löcher, in die sie ihre eigenen Ideen stopfen können....
Wir Bildungsbürger und Abonnenten, Shakespearefreunde und Humanisten, wir Theaterkritiker und von engagierten Lehrern herangeschleiften Gymnasiasten – wir sind das Volk. Damit wir das nicht vergessen und auch nicht, dass die Tragödien des britischen Renaissance-Dramatikers William Shakespeare mit uns, dem Volk, zu tun haben, werden wir als solches angesprochen und...
Viel Staat war nicht mehr zu machen mit dem Staatstheater. Die traditionsreichen Darmstädter Bühnen – ihre Geschichte reicht bis in die Zeiten des Landgrafen Ludwig V. im frühen 17. Jahrhundert zurück – hatten 1972 einen opulenten Neubau bekommen, ein Dreispartentheater mit Großem und Kleinem Haus, üppigem Raumprogramm für Werkstätten und Requisite und einer der...
