Theaterheimat
Was ist bemerkenswert? Neben all dem wunderbar gespielten und intelligent durchdachten Großstadttheater, das die Theatertreffen-Auswahl wie jedes Jahr beherrscht, sollte man auch bemerken, dass das deutsche Stadttheater gelegentlich ein paar Anstrengungen unternimmt, um aus seinem Lieblingsbereich, dem intellektuell aufgeschlossenen Spätbürgertum, auszubrechen und von seiner Lieblingsaufgabe, der aufklärenden Unterhaltung und produkti-ven Verunsicherung, abzuweichen, und sich neue Zielgruppen und Aufgaben sucht.
Das hat oft etwas Willkürliches, Plötzliches, meist mangelt es an Kontinuität. Aber dass durch die deutschen Stadttheater mal wieder eine Welt sozialen Verantwortungsgefühls geht, ist eine Bemerkung wert.
Das Schauspiel Essen ist hier relativ früh und eifrig vorgeprescht. Nach einem halben Jahr Vorbereitungsarbeit hatte am Ende der letzten Spielzeit das Projekt «Homestories» mit Jugendlichen aus dem Essener Stadtteil Katernberg Premiere. Der Regisseur und Autor Nuran Calis hat zusammen mit der Theaterpädagogin Ines Habich ein Programm erarbeitet, in dem die Jugendlichen ihre eigenen Geschichten erzählen, Geschichten aus der Heimat, wo immer die ist oder war: Angola, ...
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Viel Staat war nicht mehr zu machen mit dem Staatstheater. Die traditionsreichen Darmstädter Bühnen – ihre Geschichte reicht bis in die Zeiten des Landgrafen Ludwig V. im frühen 17. Jahrhundert zurück – hatten 1972 einen opulenten Neubau bekommen, ein Dreispartentheater mit Großem und Kleinem Haus, üppigem Raumprogramm für Werkstätten und Requisite und einer der...
Wie wär’s mit einer Frauenfantasie? Bitte vorstellen: ein gepflegtes Bordell auf dem Lande, von außen kuscheliger Backstein-Gutshof, von innen hippe Szenebar mit Kristallklunkerlampen, Fototapeten und 70er-Jahre-Plastikwandverschalung. Die Nutten: hübsche, mitunter ziemlich schwul und angegriffen ausschauende Männer. Die Freier: attraktive, strenge, auffällig...
«Das Risiko bei Shakespeare besteht natürlich darin, dass du auf einen völlig falschen Weg kommen kannst und niemand dich dabei aufhält. Bei Henrik Ibsen ist es komplett anders, bei diesem Dramatiker kannst du andauernd kontrollieren, was du machst. Wenn man bei Ibsen eine grundsätzlich falsche Entscheidung für eine Figur trifft, wenn man zum Beispiel aus Lövborg...
