Groß und klein

Jon Fosse «Winter», Tankred Dorst «Merlin oder Das wüste Land»

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Scharlatan oder Genie? Semantischer Faulpelz oder Meister des Nicht-Gesagten? Am norwegischen Mode-Autor Jon Fosse und seinen wortkargen Dramen scheiden sich die Kritiker. Für Regisseure aber bieten diese Leerstücke dank reduziertem Personal, limitierter Psychologie und beschränkter Alltagssprache viele Sinn-Löcher, in die sie ihre eigenen Ideen stopfen können. Albrecht Hirche gelingt es am Theater Aachen, viele Leerstellen offen zu lassen, ohne Leerlauf zu erzeugen. Fosses Paar-Versuch «Winter» testet er im Theater-Labor mit verschiedenen Formensprachen.

Spielerisch, selbstreflexiv – und komisch.

Die Frau und der Mann, namenlos, ohne Vorher und Woher, nur ausstaffiert mit ein paar abgebrochenen Sätzen ohne Punkt und Komma, nähern sich an, stoßen sich ab, vier Szenen lang, wollen ein «bisschen reden», auf der Parkbank und im Doppelbett. Beides aber gibt es bei Hirche nicht. Vorne erstreckt sich ein Matratzenspielplatz, hinter Kakteen und Gaze-Vorhängen eine leere Spielfläche im Kiesbett. Dort im Dustern treffen sich die Frau (Anne Wuchold) im rosa Mini-Anorak und der Mann (Karsten Meyer) im viel zu großen schwarzen Mantel das erste Mal. Ihr Gespräch rauscht als Hörspiel vom Band, ...

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Theater heute Mai 2007
Rubrik: Chronik, Seite 42
von Jenny Schmetz

Vergriffen
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