Groß und klein
Scharlatan oder Genie? Semantischer Faulpelz oder Meister des Nicht-Gesagten? Am norwegischen Mode-Autor Jon Fosse und seinen wortkargen Dramen scheiden sich die Kritiker. Für Regisseure aber bieten diese Leerstücke dank reduziertem Personal, limitierter Psychologie und beschränkter Alltagssprache viele Sinn-Löcher, in die sie ihre eigenen Ideen stopfen können. Albrecht Hirche gelingt es am Theater Aachen, viele Leerstellen offen zu lassen, ohne Leerlauf zu erzeugen. Fosses Paar-Versuch «Winter» testet er im Theater-Labor mit verschiedenen Formensprachen.
Spielerisch, selbstreflexiv – und komisch.
Die Frau und der Mann, namenlos, ohne Vorher und Woher, nur ausstaffiert mit ein paar abgebrochenen Sätzen ohne Punkt und Komma, nähern sich an, stoßen sich ab, vier Szenen lang, wollen ein «bisschen reden», auf der Parkbank und im Doppelbett. Beides aber gibt es bei Hirche nicht. Vorne erstreckt sich ein Matratzenspielplatz, hinter Kakteen und Gaze-Vorhängen eine leere Spielfläche im Kiesbett. Dort im Dustern treffen sich die Frau (Anne Wuchold) im rosa Mini-Anorak und der Mann (Karsten Meyer) im viel zu großen schwarzen Mantel das erste Mal. Ihr Gespräch rauscht als Hörspiel vom Band, ...
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Sie sind schick und gebildet, haben nichts gegen einen Fick und hassen die «Vollbandagierten», diese «Moraltanten» mit den «Mumientüchern». Kurz: Es sind junge Türkinnen in Deutschland mit «ausgesucht gutem» Deutsch, die offensichtlich Schluss gemacht haben mit dem dogmatischen Islam ihrer Vorfahren. Sie sind, so darf man meinen, angekommen im Westen. Bravo, ruft...
Wer nach einer schnellen, runden, konsumablen «Perser»-Interpretation sucht, die das antike Drama auf ein paar gängige Aktualisierungen herunterbricht und als gutverdauliche 90-Minuten-Terrine serviert, ist mit Dimiter Gotscheffs Inszenierung (siehe TH 11/06) eindeutig schlecht beraten. Keine saloppe Verstehens-Anbiederung, die so tut, als wäre Aischylos’ Tragödie...
Maeterlinck», Christoph Marthalers neues Stück am Nationaltheater Gent, wirkt wie das Antidot zu «Winch Only» (TH 8-9/06), das er im letzten Jahr in Brüssel herausbrachte. Beides sind schlaftrunkene Welträtsel aus Melancholie und Absurdität: das Leben ein Traum, das Erwachen ein Witz und dazwischen Musik – Belgien scheint dem Schweizer gut zu tun! Doch wo in...
