The Circle of Life
Seit jeher war das europäische Theater eine Ego-Show: Der Mensch hat sich mit sich selbst beschäftigt, Natur kam nur am Rande vor, als Gegenwelt, Bedrohung oder Seelenspiegel. Tragisches spielte sich – aristotelisch, aristokratisch – in Herrscherhäusern ab, tränenwürdig war nur der Sturz der Mäch tigen. Seit dem sozialen Realismus wird dieses Privileg auch den «Normalos» zugestanden, wir Aufgeklärten dürfen mit allen Menschen mit leiden, Horizonte haben sich erweitert.
Während wir aber noch immer versuchen, die Prägungen von Klassismus, Rassismus und Sexismus abzutragen, erschallt als neuer Ruf: Nieder mit dem Speziesismus! Menschen, die ihr Natur und Planeten zerstört, schaut auch auf Tiere und Pflanzen, auf andere Spezies und Arten!
Da stehen wir nun. Während Natur dokus dank neuer Technik und Drohnen immer eindrucksvoller werden und in der freien Theaterszene Waldspaziergänge choreografiert und Heuschrecken oder Oktopusse auf die Bühne geholt werden, bleibt das Ensemble-Theater so menschlich als wie zuvor. «Animal Farm», «Dschungelbuch», «Funklerwald» und Co. verlegen menschliche Konflikte einfach fabel-haft in eine Tierwelt. Außerdem sind Auftritte im Eisbärenkostüm beliebt, ...
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Theater heute Jahrbuch 2024
Rubrik: Neue Stücke, Seite 147
von Stefan Bläske
Theater heute
Die Theaterzeitschrift im 65. Jahrgang Gegründet von Erhard Friedrich und Henning Rischbieter
Herausgeber
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
Redaktion
Eva Behrendt Franz Wille (V.i.S.d.P.)
Redaktionsbüro
Katja Podzimski
Gestaltung
Christian Henjes
Redaktionsanschrift
Karl-Heinrich-Ulrichs-Straße 24, 10785 Berlin, Telefon 030/25 44 95 10, Fax 030/25...
Wenn eine schwanger ist, ist die ganze Mehrheit involviert …», das wird Zartie schlagartig bewusst, als eine einbeinige Taube sie in letzter Sekunde mittels eines Sturzflugs davon abhält, in ein für eine Schwangere natürlich ungenießbares Lachsbrötchen zu beißen. Und schon sind wir mittendrin im Thema.
Was bedeutet Muttersein? Was macht einen Menschen dazu? Wer ist...
Vielleicht liegt es an der Dichte der Theaterwände, die für Schallschutz sorgt. Dass Ereignisse von außen nicht hereindringen. Dass weder die Menschen darin noch die Institutionen als solche erreicht werden. Dass das zarte Zischen einer Kerze, zertreten von einem Stiefel, nicht gehört wird. (Aber natürlich nicht; zu weit weg, zu klein, zu schnell). Auch nicht das...
