Ein falsches Spiel
Nichts stimmt an dieser Geschichte. Nicht die Prophezeiung, dass Brunhild, die kampferprobte Königin von Island, und Siegfried, der Drachentöter aus Xanten mit dem magischen Schwert, der Nebelkappe, dem Nibelungenschatz und der gepanzerten Haut, für -einander bestimmt sind. Nicht die Werbung des burgundischen Losers König Gunter um die mächtige Brunhild. Nicht sein Sieg über sie und auch nicht der Geschlechtsverkehr mit ihr. Nicht die Hochzeit seiner Schwester Kriemhild mit Siegfried. Nicht das Wirken der christlichen Religion und nicht das Walten alter Götter.
Nicht die Farben und das Licht in Worms. Nicht der Krieg, der angekündigt wird. Nicht die Rechtsprechung im Land. Nicht die zweite Hochzeit von Kriemhild mit dem Hunnen-König Etzel. Und nicht einmal die Stelle des Rheins, an der Hagen von Tronje den Nibelungenschatz versenkt. Bis heute bleibt der unauffindbar. Und selbst die oft besungene Kleinwüchsigkeit des Nibelungenschatzhüters Alberich muss in Frage gestellt werden.
Jeder spielt hier falsch. Keiner begehrt das Richtige. You can’t always get, what you want. Auch die Geige vergreift sich im Ton und zerschneidet mit ihren reißenden Saiten dem Geiger das Gesicht.
An dieser ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2024
Rubrik: Neue Stücke, Seite 158
von Sybille Meier
Ein nebliger Abend im Advent des Jahres 1938 an der deutschen Küste, nahe einem großen Hafen. Die Angst kommt mit der Kälte des Wassers und der Dunkelheit des Meeres. Unter 10° Celsius entspricht die Chance zur Selbstrettung dem Wert der Wassertemperatur in Minuten, besagt eine Faustregel unter Seeleuten. Verschwindend gering ist die Wahrscheinlichkeit, unter...
Früher bedeckten mich meine Triggerpunkte wie eine zweite Haut. Man hätte sie benutzen können, um einen hochauflösenden Wut-Avatar von mir zu erstellen und auf den Cyberspace loszulassen. Virtuelle Verwüstung wäre garantiert gewesen. Mit kleinen Abstrichen galt das auch im richtigen Leben, und wenn ich richtiges Leben sage, meine ich natürlich die Kunst.
Im Theater...
Es ist ein ungewöhnliches Erbe, das das protegierte «Kind aus Seide» in Leonie Ziems gleichnamigem Stück antritt: Der jungen Frau werden eine Eisdiele und ein Sexroboter vermacht. Mithilfe jenes unverblümt sinnlichen automatischen «Milchmädchens» hält die frisch gebackene Eisverkäuferin fortan Laden und Liebesleben am Laufen, doch das Glück ihrer...
