«Staying with the trouble»
Wir ehren Lina Majdalanie und Rabih Mroué für ein außergewöhnliches Lebenswerk. Die Arbeit dieser beiden Ausnahmekünstler:innen kann als eine Einübung in – um einen Ausdruck von Donna Haraway zu gebrauchen – «Staying with the Trouble» gelten. Dabei spielt die Schulung des Bewusstseins eine grundlegende Rolle. Es geht nicht um ein passives Aushalten, das Ertragen einer Welt, die uns durch Gewalt und Überforderung in Bildern und Nachrichten an den Rand der Erschöpfung und in existentielle Krisen treibt.
Vielmehr zielt die Arbeit von Majdalanie und Mroué auf ein aktives Sich-Auseinandersetzen mit einer Realität, die uns zu erdrücken scheint, mittels einer Distanznahme, also auf ein bewusstes Sein. Dabei behaupten Majdalanie und Mroué ihre subjektiven und individuellen Weltentwürfe gegen die von verschiedenen Machtgruppen als scheinbar alternativlos oktroyierten homogenen Betonwelten, indem sie sich den herrschenden Zeit- und Raumlogiken entziehen.
Wer wie unsere heutigen Preisträger:innen in den letzten Dekaden des zwanzigsten Jahrhunderts und zu Beginn des 21. Jahrhunderts im Libanon lebte und arbeitete, wurde mit einer Gesellschaft konfrontiert, die zutiefst polarisiert und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2026
Rubrik: Neue Welt, Seite 90
von Bernd Scherer
Theater heute In Berlin tagt bis zur Sommerpause ein Untersuchungsausschuss, in dem es um sehr heikle Fragen zur Kunstförderung geht. Nämlich die Frage, ob einzelne Politiker der Berliner Regierungskoalition unzulässig Einfluss auf Förderentscheidungen im Bereich projektbezogener Mittel zur Antisemitismus-Bekämpfung genommen haben. Auch jenseits dieses Einzelfalls...
Wie sind die Ursachen des Backlashs auf emanzipatorische Bewegungen zu deuten? Sind wir – oder zumindest einige von uns – einfach erschöpft? In seinem Werk «Die Burnout-Gesellschaft» beobachtet Byung-Chul Han, dass wir nicht mehr in einer Gesellschaft leben, die in erster Linie durch Unterdrückung geprägt ist, sondern durch Selbstausbeutung. Die Forderung lautet...
Was tun? Um es vorweg zu gestehen: Natürlich habe ich keine Ahnung, was zu tun ist, um emanzipatorische Impulse nicht absterben zu lassen. Geht man allerdings davon aus, dass ein einmal gegebener Impuls nicht so einfach aus der Welt zu schaffen ist (ich erinnere mich ganz vage an den Impulserhaltungssatz aus dem Physikunterricht), habe ich die Hoffnung, dass all...
