Die Freiheit im Rückenmark
Was tun? In erster Linie in einem Bewusstsein leben, welches Aufrichtung erfordert. Aufrichtung der Wirbelsäule vom Steißbein bis hoch zur Schädeldecke. Die Faszien sich auseinanderziehen lassen, die Muskeln neuen Reizen aussetzen, die Sehnen arrogant über die gesamte Knochenlänge hinauswachsen lassen und tief in die Lungen atmen. (Und wenn man ganz besonders gute Laune hat, das innere Zwinkern des eigenen Größenwahnsinns unsichtbar über die Schädeldecke hinaus fließen lassen ...
)
Es gibt ein systematisches Interesse daran, uns als Gesellschaft daran zu hindern, uns unseres eigenen Aufrichtens bewusst zu werden. Ich rede ganz klar von dem Aufrichten, das mit Disziplin, Penetranz und Übung als Rückgrat gelesen werden kann. Die Aufrichtung, die mit Repetition selbstverständlich wird. Die Art und Weise, wie du deinen Körper hältst, beeinflusst, wie du deine Umwelt wahrnimmst. Aufgerichtet der Welt zu begegnen, mit erhobenem Kopf Räume zu betreten, stolz und mit entspannten Schultern Ansprüche zu stellen, führt zu einem differenzierteren und angstfreieren Umgang mit sich selbst und der eigenen Umwelt.
Die politische Unterwanderung dieses intuitiven Strotzens, welches wir alle in uns ...
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Theater heute Jahrbuch 2026
Rubrik: Was tun?, Seite 54
von Nairi Hadodo
Es ist wahr, dass die Gegenwart in die Vergangenheit schaut, dass jene gesellschaftlichen Kräfte enormen Aufwind, wenn nicht sogar eine kulturelle Dominanz zu gewinnen beginnen, die eigentlich alle emanzipatorischen Projekte der vergangenen Jahre und Jahrzehnte für beendet erklären möchten. Kräfte, die zwar vorgeben, Fortschritt zu wollen, zum Wohle aller,...
Svenja Viola Bungartens Auftragsstück für das Staatstheater Regensburg beginnt mit drei Monologen über einen mysteriösen Abend. Die Figuren Walpurga, Vampyra – deren Namen sicher nicht zufällig gewählt sind – und Jenny besuchen eine Aufführung von «Romeo und Julia». Alle drei Frauen sind einer Einladung von Julia gefolgt, die sie noch aus der Schulzeit kennen. Nun...
Vielleicht haben wir einen Fehler gemacht. Damals in der Pandemie, als wir uns fragten, welche Berufe für den Erhalt unserer Gesellschaft notwendig seien und welche nicht. Vielleicht war unser Eingeständnis, künstlerische Arbeit sei nicht systemrelevant, voreilig. Zu jovial vielleicht, zu wohlfeil – wie sich der Künstler gern mal gibt. Bescheidenheit dient ihm als...
