Stabreime beim Brötchenholen

Das Dresdener Publikum ist politisch und geschmacklich eher konservativ aufgestellt, dabei aber traditionell zum Mitmachen entschlossen: ein Blick vom Staatsschauspiel zurück auf die Pegida-Bühne

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Mitte März im Staatsschauspiel Dresden: Gerade noch hatte Fiesko zu Genua, halbseidener Hoffnungsträger einer putschbereiten Regierungs­opposition, im Hinterzimmer gekokst und an spätpubertären Flaschendrehspielchen teilgenommen.

Jetzt tänzelt er an der Rampe auf und ab und fragt unter maximal demagogischer Pokerface-Aufbietung: «In welcher Regierungsform leben wir denn eigentlich?» Weil draußen, vorm Theater, montagsabends immer noch ein paar Tausend Deutschlandfahnenträger und «Lügenpresse»-Skandierer vorbeimarschieren, hat der Regisseur Jan Philipp Gloger Schillers «Verschwörung des Fiesko zu Genua» drinnen, wo erfahrungsgemäß ohnehin der Gegenkonsens sitzt, als eine Art Anti-Pegida-Unterrichtseinheit inszeniert. «Wer hat denn schon mal in einer anderen Regierungsform gelebt?», fährt der reformpädagogische Revoluzzer-Darsteller Fiesko (Christian Erdmann) also fort und scannt die ersten sieben Zuschauerreihen ab. Es ist dies jener von Aachen bis Zürich gefürchtete «Partizipations»-Theatermoment, in dem sich gewöhnlich alle Augenpaare nach unten richten und scheinkonzentriert nach Unregelmäßigkeiten im Fußbodenbelag suchen.

Nicht so in Dresden. Am Staatsschauspiel der sächsischen ...

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Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Der Konsens im Parkett, Seite 28
von Christine Wahl

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