Rückkehr der Angst

Sebastian Rudolph fürchtet sich vor Gruppen mit Definitionshoheit

Theater heute - Logo

Ich bemerke, dass sich eine Menge bewegt und verändert in den Theatertankern des deutschen Stadttheaters. Institutionell und künstlerisch. 

Themen, die lange keine Rolle spielten, ebenso wie neue, alternative Beschreibungen von Geschichte und Gesellschaftsverhältnissen bestimmen die Spielpläne der Stadttheater genauso wie die Werbeplakate der Industrie. Menschen, die bisher nicht sichtbar waren oder die kaum eine Stimme hatten, besetzen jetzt Machtpositionen und bisher fast unerreichbare Posten.

 

So nehme ich diese Veränderung auch zum größten Teil wahr, als Umverteilungsbewegung und Machtkampf. Die Menschen, die da jetzt aus dem bisher Ungesehenen in Erscheinung treten, tragen eine große Euphorie mit sich. Diese Freude überträgt sich auf mich, und ich genieße es, dass sich zumindest einige und vor allem immer mehr Stadttheater im Erscheinungsbild so anfühlen, wie die angenehmsten Viertel der schönsten deutschen Großstädte – bunt und interessant und eigen und sehr schön. Ist das jetzt besser oder gerechter als vorher? Nö, anders ist es. Wo bei begrenztem Platzangebot Neues hervortritt, muss anderes weichen, wo neue Leute engagiert werden, müssen andere zum Arbeitsamt, und die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Transformation, Seite 61
von Sebastian Rudolph

Weitere Beiträge
Ein fiktiver Abend im Jahr 2027

Als ich an diesem zukünftigen Abend ins Theater ging, fiel mir zuerst eine Gruppe auf, die sich vor dem Theater austauschte. Sie waren alt und jung, sprachen angeregt und respektvoll miteinander. Aus Gesprächsfetzen nahm ich wahr, dass es sich teils um dem Theaterbetrieb zugehörige Personen einer Künstlerischen Leitungsgruppe handelte, teils um außenstehende...

Neu und neuneu

«Kunst kommt von können und nicht von wollen, sonst müsste es ja Wunst heißen.» (Karl Valentin) 

Seit einiger Zeit gibt es den Ruf nach Veränderung am Stadt- und Staatstheater. Hat sich etwas verändert, und wenn ja, was? Ja, es ist Bewegung im Spiel: Neue Ideen brechen auf, um verwirklicht zu werden. Nur, ist das NEU? Ja, es ist Bewegung im Spiel: Neue...

Ein Mensch kommt rein und macht was kaputt

I wanted a mission and for my sins they gave me one.» Das ist eines der beiden Zitate, die das Autor:innenduo Sokola/Spreter ihrem Stück «Farn Farn Away» vorangestellt hat. Wie Captain Willard aus «Apocalypse Now» haben die beiden Frauen Maura und Ich den Auftrag, sich in eine unwirtliche, nach-katastrophische Urwaldgegend weitab der Zivilisation zu begeben, um...