Hängst du noch oder springst du schon?
Wie anfangen? Wie anfangen, wenn die Angst, mit dem ersten Wort nicht gleich das richtige Wort zu finden, das Anfangen schwermacht? Was sagen, jetzt, da man einmal den Raum hat, sprechen zu dürfen und alle Scheinwerfer auf einen gerichtet sind? Wie ein neues Stück eröffnen, wenn man gerade ein äußerst erfolgreiches Debüt vorgelegt hat, das auch noch mit einem der wichtigsten Preise für Gegenwartsdramatik ausgezeichnet wurde, und nun alle gespannt darauf warten, wie es weitergeht?
Wie beginnen, wenn man nicht sicher ist, ob einem das Einfach-so-Loslegen auch tatsächlich zusteh
t? Wenn man keinen Anfang hat, «der einfach mal so da ist, der da einfach so selbstverständlich herumexistiert»? Und wie erklären, wie man hier hingekommen ist? Hier, an diesem Chandelier, an diesem Lüster, schon wieder an diesem Kronleuchter hängend.
Vielleicht am besten eine Trigger-Warnung an den Anfang stellen: Ewe Benbeneks neues Stück «Juices», ihr zweiter Theatertext nach dem vielfach ausgezeichneten «Tragödienbastard», hat enormes Ohrwurm-Potential. «One, two, three, one, two, three, drink ...»: Der Song «Chandelier» der australischen Sängerin Sia strukturiert das Stück, ist rhythmisches und ...
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Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Neue Stücke, Seite 144
von Christian Holtzhauer
Als wäre ein Druckventil geplatzt, sprach man im Frühling der Öffnung 2022 so viel über das Publikum wie seit Jahren nicht mehr. Der Beginn der Pandemie, die erste Schließungswelle, die zweite, noch längere: Das Theater war, durchaus begreiflich, zwei Jahre lang mit sich selbst beschäftigt. In dieser Zeit gerieten die Mindestgagen für junge Künstler:innen in den...
Eleonore Garazzo lebt allein, arbeitet als Immobilienmaklerin und hat längst finanzielle Unabhängigkeit erreicht. An einem Septembertag entdeckt sie, dass sie eigentlich eine Katze ist. Es ist eine Entdeckung, keine Entscheidung, und später wird sie sagen, dass sie sich das nicht ausgesucht habe. Sie blickt schlicht auf ihr bisheriges Leben zurück und bemerkt, dass...
Fangen wir mit den schwierigen Nachrichten an: 15 Kritiker:innen ist dieses Jahr kein Haus eingefallen, das sie guten Gewissens zum «Theater des Jahres» küren möchten. Ist die Branche erschlagen von pandemiebedingt angestauter Premierenfülle, vielen Ausfällen und Unsicherheiten? Oder ist nach halbwegs überstandenem Corona-Desaster eigentlich jede Bühne ein Sieger?...
