Hängst du noch oder springst du schon?
Wie anfangen? Wie anfangen, wenn die Angst, mit dem ersten Wort nicht gleich das richtige Wort zu finden, das Anfangen schwermacht? Was sagen, jetzt, da man einmal den Raum hat, sprechen zu dürfen und alle Scheinwerfer auf einen gerichtet sind? Wie ein neues Stück eröffnen, wenn man gerade ein äußerst erfolgreiches Debüt vorgelegt hat, das auch noch mit einem der wichtigsten Preise für Gegenwartsdramatik ausgezeichnet wurde, und nun alle gespannt darauf warten, wie es weitergeht?
Wie beginnen, wenn man nicht sicher ist, ob einem das Einfach-so-Loslegen auch tatsächlich zusteh
t? Wenn man keinen Anfang hat, «der einfach mal so da ist, der da einfach so selbstverständlich herumexistiert»? Und wie erklären, wie man hier hingekommen ist? Hier, an diesem Chandelier, an diesem Lüster, schon wieder an diesem Kronleuchter hängend.
Vielleicht am besten eine Trigger-Warnung an den Anfang stellen: Ewe Benbeneks neues Stück «Juices», ihr zweiter Theatertext nach dem vielfach ausgezeichneten «Tragödienbastard», hat enormes Ohrwurm-Potential. «One, two, three, one, two, three, drink ...»: Der Song «Chandelier» der australischen Sängerin Sia strukturiert das Stück, ist rhythmisches und ...
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Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Neue Stücke, Seite 144
von Christian Holtzhauer
Die Menschen sind schlecht, und die Welt ist am Arsch», singt der Sänger Kummer in «Der letzte Song». Es geht darin um die Musik an sich, die in dieser Welt Trost spenden könnte. Um einen Künstler, der gern sagen würde, «das System ist defekt, die Gesellschaft versagt / aber alles wird gut». Es gelingt ihm nicht. Er kann immer nur sagen, was ist, und dass das, was...
In seiner Geschichte der Zukunft beschreibt der israelische Historiker Yuval Harari, wie der Mensch sich im Zuge der Entwicklung künstlicher Intelligenz und immer komplexerer virtueller Welten zu einem gottähn -lichen Schöpfer entwickeln könnte: zu einem Homo Deus. Es ist offensichtlich: Wir stehen am Ende des analogen Zeitalters. Das Verhältnis von analoger und...
Lea Ruckpaul verkörpert radikale und herzzerreißend kämpferische Frauenfiguren auf der Bühne – manchmal auch Männerfiguren. Ebenso kompromisslos gibt die Schauspielerin, die in zahlreichen Rollen am Düsseldorfer Schauspielhaus zu erleben ist, nun ihr Debüt als Dramatikerin. «My Private Jesus» geht von einer höchst streitbaren These aus: Jeder Mensch hat das Recht,...
