Hängst du noch oder springst du schon?
Wie anfangen? Wie anfangen, wenn die Angst, mit dem ersten Wort nicht gleich das richtige Wort zu finden, das Anfangen schwermacht? Was sagen, jetzt, da man einmal den Raum hat, sprechen zu dürfen und alle Scheinwerfer auf einen gerichtet sind? Wie ein neues Stück eröffnen, wenn man gerade ein äußerst erfolgreiches Debüt vorgelegt hat, das auch noch mit einem der wichtigsten Preise für Gegenwartsdramatik ausgezeichnet wurde, und nun alle gespannt darauf warten, wie es weitergeht?
Wie beginnen, wenn man nicht sicher ist, ob einem das Einfach-so-Loslegen auch tatsächlich zusteh
t? Wenn man keinen Anfang hat, «der einfach mal so da ist, der da einfach so selbstverständlich herumexistiert»? Und wie erklären, wie man hier hingekommen ist? Hier, an diesem Chandelier, an diesem Lüster, schon wieder an diesem Kronleuchter hängend.
Vielleicht am besten eine Trigger-Warnung an den Anfang stellen: Ewe Benbeneks neues Stück «Juices», ihr zweiter Theatertext nach dem vielfach ausgezeichneten «Tragödienbastard», hat enormes Ohrwurm-Potential. «One, two, three, one, two, three, drink ...»: Der Song «Chandelier» der australischen Sängerin Sia strukturiert das Stück, ist rhythmisches und ...
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Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Neue Stücke, Seite 144
von Christian Holtzhauer
Falk Schreiber Lina Beckmann, ich möchte zunächst über Karin Henkels Shakespeare-Überschreibung «Richard the Kid & the King» am Hamburger Schauspielhaus reden, in der Sie die Hauptrolle spielen. Was ist dieser Richard eigentlich für eine Figur? Warum ist der so, wie er ist?
Lina Beckmann Eine Frage, die wir uns gestellt haben, ist: Wird jemand so, wie er ist, weil...
Mit der Liebe war es ja noch nie leicht. Und wohl genau deswegen sind über alle Jahrhunderte hinweg zahllose sprachlich komplexe, teils hoch verdichtete Werke entstanden, die das Literaturthema Nummer eins in Worte fassen und um eine Sprache ringen für komplizierte Gefühls -lagen. Vieles, was über die Liebe und deren handfestere Schwester, die Sexualität, gesagt...
Ich bemerke, dass sich eine Menge bewegt und verändert in den Theatertankern des deutschen Stadttheaters. Institutionell und künstlerisch.
Themen, die lange keine Rolle spielten, ebenso wie neue, alternative Beschreibungen von Geschichte und Gesellschaftsverhältnissen bestimmen die Spielpläne der Stadttheater genauso wie die Werbeplakate der Industrie. Menschen,...
