Rohe Bürgerlichkeit

Der Soziologe Wilhelm Heitmeyer über den «Kulturkampf» der AfD und anhaltende rechtsradikale Übergriffe auf die Kunstfreiheit. Ein Gespräch mit Peter Laudenbach

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Peter Laudenbach Herr Heitmeyer, weshalb werden Künstler:innen und Kultureinrichtungen mit erschreckender Häufigkeit zum Ziel rechter Aggression? 
Wilhelm Heitmeyer Die Neue Rechte orientiert sich dabei an der klassisch linken, von Gramsci entwickelten Theorie der «kulturellen Hegemonie». Das ist strategisch nicht ungeschickt. Ein zentrales Ziel der AfD ist es, in gesellschaftliche Institutionen vorzudringen, um Normalitätsstandards in Richtung einer kulturellen Homogenität zu verschieben.

Für solche Strategien ist der Kulturbereich ein interessantes Spielfeld. Die dokumentierten Vorfälle zeigen drei Muster unterschiedlicher Vorgehensweisen: Erstens kulturpolitische Interventionen, also etwa Anträge in Parlamenten oder die Forderung, bestimmten Kultureinrichtungen Gelder zu streichen. Zweitens Androhung von Gewalt, zum Beispiel in Form der zahlreichen Morddrohungen. Und drittens die Ausübung von Gewalt, Sachbeschädigungen, Brand- und Sprengstoffanschläge. Die Akteure sind dabei nicht notwendig miteinander identisch. Die AfD-Abgeordneten, die verlangen, dass beispielsweise dem Berliner Maxim Gorki Theater Gelder gestrichen werden, sind vermutlich nicht die gleichen Personen, die ...

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Theater heute Januar 2022
Rubrik: Debatte, Seite 42
von Peter Laudenbach

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