Ring frei!
Irgendwann landet Marianne, eines der vielen «süßen Wiener Mädels» des abgründigen österreichisch-ungarischen Dramatikers Ödön von Horváth, die keinen Platz im Leben finden, nackt als Tableau vivant in einem Varieté. Meist wird das eindeutig erotisch gedeutet. Johan Simons und sein Ensemble legen diese Szene aus «Geschichten aus dem Wiener Wald» im Burgtheater überraschend neu an: Maria Happel und Sarah Viktoria Frick machen daraus eine aberwitzige expressionistische Performance, entfremden Patriarchats-Symbole ironisch.
Sie cremen sich gegenseitig ein, zerbröseln eine Zigarre und kleben sie sich dann als falschen Bart ins Gesicht. Die beiden sind angezogen und keine erotischen Projektionsflächen. Sie finden tatsächlich ein Stück Freiheit in einer Kunstnische, die schon bald von den Nazis verboten werden wird.
Wie zeigt man Unterdrückung, ohne sie auf der Bühne zu wiederholen? Wahrscheinlich eine der zentralen Fragen des Gegenwartstheaters. Horváth dekliniert in seinem artifiziellen Volksstück knallhart durch, wie einer jungen Frau, die aus der kleinbürgerlichen Welt entkommen möchte, das Genick gebrochen wird. «Du wirst meiner Liebe nicht entkommen», droht der Fleischer Oskar ...
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Theater heute Januar 2022
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Karin Cerny
Migros, das bedeutet in der Schweiz nicht nur Food und Non-Food landauf, landab. Mit ihrem «Kulturprozent» – rund 140 Millionen Franken im Jahr – ist die Migros auch ein Big Player im gesellschaftlichen und kulturellen Engagement in der Schweiz. Innerhalb der Kulturförderung stehen 300.000 Franken jährlich für das neue Format m2act zur Verfügung, das die...
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Wann hat das eigentlich angefangen, dass aus der Zukunft als Verheißung oder zumindest offen gestaltbarem Raum ein zunehmend unaufhaltsam heranrollender Alptraum geworden ist? Und aus der Gegenwart mit all ihren Krisen und Verlockungen vor allem die Voraussetzung dafür? Mittlerweile stecken wir so tief drin in der Erwartung, dass alles nur noch schlimmer werden...
