Auf dem Weg mit leichtem Gepäck
Kolonialverbrechen, Klassismus, Jugendproteste in Südamerika, das defizitäre Europa – die Spielzeiteröffnung am Schauspiel Dortmund darf als Ansage verstanden werden. Zentral sind Politik, Perspektivwechsel, neue Texte. Und es geht hier grundlegend um die Positionsbestimmung als Künstler:in, als immer noch neues Ensemble um Intendantin Julia Wissert, die 2020 mitten in der Corona-Pandemie ein geschlossenes Haus in einer geschlossenen Stadt übernommen hatte.
Die Pandemie, die seit zwei Jahren nicht nur am Theater alles infrage stellt, hat die Schriftstellerin Arundhati Roy in einem Essay für die Financial Times als «Portal zwischen der alten und einer neuen Welt» bezeichnet. Diese überschwängliche Metaphorik adaptiert Chefdramaturgin Sabine Reich im neuen Spielzeitheft für das junge Dortmunder Team. Die Menschheit könne nun wählen, zitiert sie Roy, ob sie «mit leichtem Gepäck für eine neue Welt kämpfen oder die toten Ideen unserer Vergangenheit mitschleppen» wolle. «Wir gehen nach vorn, mit leichtem Gepäck», schreibt Reich. «Für diesen Augenblick verzichten wir weitestgehend auf die alten Texte und die klassischen Narrative. Denn in diesem Augenblick sprechen sie nicht zu uns. ...
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Theater heute Januar 2022
Rubrik: Theatermodelle, Seite 38
von Cornelia Fiedler
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