Let love flow
Mitten in erbitterten Identitäts-, Privilegien- und Rassismus-Diskussionen hat die Kulturwissenschaftlerin und Autorin Mithu Sanyal mit ihrem Shortlist-Buchpreis-Bestseller «Identitti» schier Unvorstellbares geschafft: das Thema komplex zu verhandeln – und dennoch die Absurdität der Diskurs-Auswüchse so auf die Spitze zu treiben, dass befreites Gelächter auf einmal möglich erscheint.
Der Handlungskern des 450-Seiten-Romans «Identitti» ist kurz zusammengefasst: Nivedita alias Identitti, Bloggerin, mixed-race, ist verstört, weil ihre Professorin und großes Vorbild Saraswati, angeblich Inderin, geoutet wurde. Ausgerechnet diejenige, die einst alle weißen Studierenden aus ihrem Seminar hinauswarf, heißt in Wirklichkeit Sarah Vera Thielmann, ist selbst weiß und biodeutsch – und hat ein unerhörtes umgekehrtes «Passing» vollzogen, sich als Superprivilegierte eine fremde kulturelle – unterprivilegierte? – Identität angeeignet. Oder? Wenn Geschlecht fluid sein kann, dann vielleicht auch Herkunft, und überhaupt hat Sarasvatis Anmaßung mehr mit persönlicher Traumatisierung zu tun, als man zu Beginn vermutet.
In der Uraufführung bereitet Regisseur Kieran Joel der Düsseldorferin Sanyal ein ...
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Theater heute Januar 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Dorothea Marcus
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