Richtig doof ablachen
Immer wieder wird an einen Intendanten, so jedenfalls meine Erfahrung, der Wunsch herangetragen, etwas zu produzieren, wo man «so richtig doof ablachen» kann. Man fragt sich: Wo kommt dieser Wunsch her? Die Menschen, die es sich wünschen, über etwas «richtig doof abzulachen», könnten sich diesen Wunsch ja leicht erfüllen, indem sie in den Spiegel gucken. Offensichtlich steckt sowohl in dem Begriff «Ablachen» als auch in dem Adjektiv «doof» als Steigerung von «Ablachen» etwas Lustvolles, was man alleine mit sich selbst nicht zustande bringt.
Denken scheint das Gegenteil zu sein! Denken und die Wahrnehmung der Vielschichtigkeit von Dingen und Menschen wird als lustfeindlich erlebt. Offensichtlich geht es um Faulheit: Faulheit der Wahrnehmung, Faulheit des Denkens, Faulheit sich selbst gegenüber. Es manifestiert sich hier ein Wunsch nach einer vereinfachten Welt, im Wissen, dass es so nicht ist. Es ist ein tendenziell totalitärer Wunsch: Alle sollen über das Gleiche doof ablachen! Es soll keine Unterschiede zwischen Menschen geben!
Dabei gibt es kaum etwas, was den Menschen mehr positiv stimuliert, als die Unterschiede und damit auch die Ungerechtigkeit der Natur. Das finden wir bei ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Peter Carp, Seite 15
von Peter Carp
Das einzig Ungewöhnliche an dem ganz und gar gewöhnlichen Mehrfamilienhaus in der Bochumer Wilhelm-Stumpf-Straße ist, dass auf dem Klingelbrett drei Mal der Name Beckmann steht. Maja Beckmann wohnt hier, Ensemblemitglied des Bochumer Schauspielhauses gleich um die Ecke. Ebenso ihr jüngerer Bruder Till Beckmann, der Ruhrgebietsliteraturwettbewerbe veranstaltet, im...
Mit Chören kennt Rita Thiele sich aus, seit sie mit Einar Schleef gearbeitet hat. Und war die Mobilisierung der Kölner Öffentlichkeit nicht auch eine, wenngleich ungeordnete, Massen-Choreografie? Das Bürgerbegehren, an dessen Spitze sich das Schauspielhaus unter der Intendantin Karin Beier stellte, um den Abriss des Riphahn-Gebäudes am Offenbachplatz – trotz...
Videobilder in nebligen Grautönen, unscharf und verschwommen – beleuchtet von kaltem Neonlicht, aufgezeichnet von Überwachungskameras in Berliner U-Bahnhöfen. Es sind verstörende Bilder, die in den letzten Wochen wieder und wieder zu sehen waren. Bilder von Schlägen und Tritten gegen Kopf und Körper, von brutalen Übergriffen Jugendlicher auf harmlose Passanten....
