Aus heiterem Himmel

Carmen Wolfram über Juri Sternburgs «Der Penner ist jetzt schon wieder woanders»

Theater heute - Logo

Videobilder in nebligen Grautönen, unscharf und verschwommen – beleuchtet von kaltem Neon­licht, aufgezeichnet von Überwachungskameras in Berliner U-Bahnhöfen. Es sind verstörende Bilder, die in den letzten Wochen wieder und wieder zu sehen waren. Bilder von Schlägen und Tritten gegen Kopf und Körper, von brutalen Übergriffen Jugendlicher auf harmlose Passanten. Als sich Gewalt derart prägnant sichtbar im öffentlichen Raum entfaltete, war die Schockwirkung immens.

Spektakuläre Fälle – und vor allem spektakuläre Bilder – erzeugen Gefühle von Bedrohung und werfen Fragen von Erziehung, Bildung, Integrationsproblemen, Justiz und Strafen auf. Wie immer in solchen Fällen haben Erklärungsversuche Konjunk­tur in den Medien. Dabei gehört es zu den Unbegreiflichkeiten dieser Angriffe, dass sie jeder krimi­nellen Logik zu entbehren scheinen. Habgier oder Neid, diese fassbaren Antriebe finden wir begreifbar, nicht aber Gewalt, die sich um ihrer selbst willen entlädt. Sogar der versuchte Diebstahl einer Geldbörse, der in Mord mündet, bleibt erklärbar. Wie Jugendliche aber ohne Grund, «aus heiterem Himmel», zu grausamen Schlägern werden, bleibt trotz aller Forschungen ein verstörendes Rätsel.

Juri ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Die neuen Stücke, Seite 172
von Carmen Wolfram

Weitere Beiträge
Lebendig begraben

Was, euch gibt’s noch? Ich dachte, die haben den Laden schon längst dichtgemacht ...!» Mit dem Gestus des allergrößten Erstaunens bekommen diesen Satz seit mehr als einem Jahr die Beschäftigten der Wuppertaler Bühnen beinahe täglich zu hören. Nicht nur landauf, landab in Kneipen und Theaterkantinen oder in Telefon­gesprächen, sogar in der eigenen Stadt wird man...

Der Sieger und seine Verfolger

Jens Harzer

Allein wie Jens Harzer am Thalia Theater den zu Tode zitierten Posa-Satz sagt von der Gedankenfreiheit, ist den ganzen «Don Carlos» wert – leicht, spielerisch, verführerisch, mit einer lässigen Hand­bewegung und seinem schiefen Lächeln, als sei das kein großes Ding. Anke Dürr

Seinen Ruhm hat Jens Harzer sich erspielt als fantastischer Alien des deutschen...

Das Au!-Wort

Ein Schauspieler ist er nicht, er will kein Schauspieler sein. Seine Kollegen mögen Schauspieler sein, was für ihn heißt: Mensch-Maschinen. Er will sich nicht verbiegen. Sich Figuren zu widmen, hat er nicht nötig. Ihm reicht es, er selbst zu sein, und er ist sich sicher, dass er mit der Zur-Schau-Stellung seiner Tagesform dem Publikum das größte nur denkbare...