Aus heiterem Himmel

Carmen Wolfram über Juri Sternburgs «Der Penner ist jetzt schon wieder woanders»

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Videobilder in nebligen Grautönen, unscharf und verschwommen – beleuchtet von kaltem Neon­licht, aufgezeichnet von Überwachungskameras in Berliner U-Bahnhöfen. Es sind verstörende Bilder, die in den letzten Wochen wieder und wieder zu sehen waren. Bilder von Schlägen und Tritten gegen Kopf und Körper, von brutalen Übergriffen Jugendlicher auf harmlose Passanten. Als sich Gewalt derart prägnant sichtbar im öffentlichen Raum entfaltete, war die Schockwirkung immens.

Spektakuläre Fälle – und vor allem spektakuläre Bilder – erzeugen Gefühle von Bedrohung und werfen Fragen von Erziehung, Bildung, Integrationsproblemen, Justiz und Strafen auf. Wie immer in solchen Fällen haben Erklärungsversuche Konjunk­tur in den Medien. Dabei gehört es zu den Unbegreiflichkeiten dieser Angriffe, dass sie jeder krimi­nellen Logik zu entbehren scheinen. Habgier oder Neid, diese fassbaren Antriebe finden wir begreifbar, nicht aber Gewalt, die sich um ihrer selbst willen entlädt. Sogar der versuchte Diebstahl einer Geldbörse, der in Mord mündet, bleibt erklärbar. Wie Jugendliche aber ohne Grund, «aus heiterem Himmel», zu grausamen Schlägern werden, bleibt trotz aller Forschungen ein verstörendes Rätsel.

Juri ...

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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Die neuen Stücke, Seite 172
von Carmen Wolfram

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