Lieber konkret
Mit Chören kennt Rita Thiele sich aus, seit sie mit Einar Schleef gearbeitet hat. Und war die Mobilisierung der Kölner Öffentlichkeit nicht auch eine, wenngleich ungeordnete, Massen-Choreografie? Das Bürgerbegehren, an dessen Spitze sich das Schauspielhaus unter der Intendantin Karin Beier stellte, um den Abriss des Riphahn-Gebäudes am Offenbachplatz – trotz bereits verabschiedeter Neubaupläne – noch zu verhindern, war eine von zwei Aktionen, mit der das Theater in der Stadt Position bezog.
Das zweite Ereignis: der Archiv-Einsturz in der Südstadt im März 2009 – eineinhalb Jahre später produktiv gemacht durch Elfriede Jelineks Text «Ein Sturz», mit dessen Uraufführung Beier ihre Saison spektakulär eröffnete. Die Trilogie «Das Werk/Im Bus/ Ein Sturz» über von Menschen verursachte Natur-Katastrophen enthielt natürlich auch eine Chor-Passage.
Man darf spekulieren, welchen Einfluss die Dramaturgin Rita Thiele auf diese starke Setzung und formale Zäsur hatte mit Goethes & Schuberts «Gesang der Geister über den Wassern», vorgetragen von einer schmucken halben Hundertschaft Marschkörper-Choristen. Für Karin Beier jedenfalls bedeutet der elementare Einschub ein Novum. So wie überhaupt die ...
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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Köln bleibt Köln!, Seite 128
von Andreas Wilink
Wut ist eine sekundäre Emotion. Menschen können Wut empfinden, wenn sie gerade mit etwas emotional Unmittelbarem zu kämpfen haben. Wenn wir zu kämpfen haben, weil wir mit Angst oder Traurigkeit oder auch Freude zurechtkommen müssen, kann es sein, dass sich dieser Kampf in Wut manifestiert.
Ich weiß nicht so recht, ob ich Wut für besonders inspirierend halte. Ich...
I.
Dem Wunsch der Redaktion nach einem Wutanfall und ungezügelter Wut muss ich wie folgt begegnen: Selbst mir, dem durch sich abwechselnde und ergänzende Ungeduld und Verschlafenheit viel entgeht, konnte unmöglich entgehen, dass ich mich durch eigenes Zutun offensichtlich zum Wutlieferanten qualifiziert habe.
Dazu ist zunächst einmal anzumerken, dass es mir...
An manchen Tagen genügt eine Zeitung, um die Zeit zu versammeln. Der 28. März 2011 war so ein Tag, und die Zeitung eine «Süddeutsche». Auf der ersten Seite unten müssen gerade wieder einmal die Arbeiter aus den Trümmern des Atomkraftwerks Fukushima abrücken, weil ihnen das hochradioaktive Wasser sonst die Füße verbrennt. Oben steht der baden-württembergische...
