Räume des Umbruchs
Auf dem Foto von Bert Neumann, mit dem die Volksbühne auf ihrer Website den Tod ihres Chefbühnenbildners anzeigt, trägt er ein Shirt mit dem Aufdruck «Don’t look back» in deutscher Frakturschrift. Solche Widersprüche hatten es ihm angetan. Auf dem Foto schaut er natürlich nicht den Betrachter an, sondern zur Seite. Sehr, sehr weit zur Seite, fast schon nach hinten. Don’t look back. Das Foto hätte ihm sicher gefallen.
Frank Castorf hat die Schauspieler inszeniert, Bert Neumann die Blicke und Blickrichtungen.
Beide zusammen haben seit 1992 die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz zum über viele Jahre wichtigsten Theaterlabor im deutschsprachigen Raum gemacht. Dort wurde verhandelt, was anderswo übersehen, schöngeredet, unter die Decke gekehrt oder melancholisch umflort wurde: das für mindestens zwei bis drei Generationen eben nicht und schon gar nicht reibungslos gelingende Zusammenwachsen von Ost und West, von Biografien, von Denk- und Gefühlsräumen, von Ideologien – auch wenn sie nicht so heißen sollten –, von Sinnhorizonten, von unterschiedlichen und nur bedingt kompatiblen Gegenwarten und Vergangenheiten. Beide, Neumann und Castorf, wollten sich nicht einfügen in die ...
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Theater heute Oktober 2015
Rubrik: Bert Neumann, Seite 20
von Franz Wille
Auf die Idee muss man erst mal kommen: Bei 37 Grad Sommerhitze in Norwegerpulli und Fellmütze herumzurennen. Aber gut, wir sind in der Antarktis. Der junge Schauspieler und Regisseur Samuel Achache schickt ein sechsköpfiges Forschertrüppchen ins Polareis und hat ihnen dafür ein hübsch knirschendes Styropor-Schneefeld unter den Platanen des Cloître des Célestins...
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«3000 Euro» sind nicht die Welt, können aber – vor allem wenn sie fehlen – einen entscheidenden Unterschied machen. In seinem gleichnamigen Roman untersucht Thomas Melle mit unsentimentaler Genauigkeit, aber nicht ohne Empathie, was passiert, wenn eine Existenz ins Rutschen gerät. Anton wohnt vorübergehend in einem Übergangsheim, aber manchmal übernachtet er auch...
