Auf Augenhöhe
«3000 Euro» sind nicht die Welt, können aber – vor allem wenn sie fehlen – einen entscheidenden Unterschied machen. In seinem gleichnamigen Roman untersucht Thomas Melle mit unsentimentaler Genauigkeit, aber nicht ohne Empathie, was passiert, wenn eine Existenz ins Rutschen gerät. Anton wohnt vorübergehend in einem Übergangsheim, aber manchmal übernachtet er auch im Freien – «Einübung in die Zukunft, Vorwegnahmen des Unausweichlichen»? Vor Kurzem studierte er jedenfalls noch Jura mit Aussicht auf eine unproblematische Zukunft, Familie, Urlaub, Eigenheim.
Dann lief es einen Sommer lang nicht rund, Burnout, auch schon mal Drogen und ein paar unüberlegte Internet-Einkäufe. Jetzt trennen ihn von einem bürgerlichen Leben ein Rechtsstreit mit der Deutschen Bank und 3000 Miese auf dem Dispo, die er nicht zurückzahlen kann. Warum, wird nie so ganz klar, aber wenn man mal drin ist in der Abwärtsspirale, sind eben Kräfte am Werk, die sich so ohne Weiteres nicht umkehren lassen. Von fern grüßen Kästner, Horváth, Fallada.
Hoffnung keimt auf, wenn Denise, Supermarktkassiererin und alleinerziehende Mutter einer verhaltensauffälligen Sechsjährigen, eine uneigennützige Schwäche für den ...
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Theater heute Oktober 2015
Rubrik: Chronik, Seite 66
von Silvia Stammen
Personen
Mani (Mann, etwa 35 Jahre alt)
Casparus Van Houten (alter Mann)
Andrej (Mann, etwa 25 Jahre alt)
Peter (Mann in den 30ern)
Angestellte beim Getränkemarkt (Frau in den 50ern)
Silvana (Frau in den 60ern, Andrejs Mutter)
Ivan (13-jähriger Junge, Andrejs kleiner Bruder)
Jobcenterfrau (Ältere Frau)
Jobcentermann (Älterer Mann)
Bewerbung (1 Blatt Papier)
Die...
Kleine Lügen können die Lebensqualität entscheidend verbessern. Zum Beispiel Martina, Mitte 30. Nach dem Studium jobbt sie schon seit zweieinhalb Jahren in einem Zeitungskiosk, um die kleine Familie mit dem mäßig erfolgreichen Akademikergatten finanziell über Wasser zu halten. Erst als sie mit der Kassenabrechnung etwas kreativer umgeht, kann sie sich auch mal ihr...
Es gibt wirklich großartige Momente. Zum Beispiel, wenn unverhofft in der Tiefe der Bühne ein auratisches Zimmer erscheint und dann in stiller Absurdität hinter dem Geschehen vorbeizieht. Oder wenn ausgerechnet der Universitätsprofessor Manfred Hild vom Forschungslabor Neurorobotik der Beuth Hochschule für Technik Robbie Williams «I just wanna feel» covert. Oder...
