Querfronten, Zaubergesten und rasende Rituale
Auch nach hundert Jahren läuft Tschechows dramatische Familienlimousine «Drei Schwestern» noch einwandfrei auf vielen Bühnen. Trotzdem zeigt Simon Stone, dass es nicht schadet, das Dialogmaterial generalzuüberholen oder auch gleich gänzlich auszutauschen – bei gleichzeitiger Erhaltung der Karosserie.
So kommt es auf der Bühne des Basler Theaters zu kleinen Verschiebungen – aus dem Haus des verstorbenen Generals Prosorow wird eine Highend-Ferien-«Hütte», der einst soldatische Bekanntenkreis übt mittlerweile zivile Berufe aus, die Neu-Vegetarierin Irina kriegt zum Geburtstag einen Prosciuttoschneider, und Schwiegertochter Natascha übernimmt nicht nur wie im Original das Ruder, sondern luchst nach der Scheidung Ex und Familie gleich das gesamte Erbe ab. Dennoch lassen sich die vorrevolutionären Leiden der Erben – denn das sind die drei Schwestern und ihr Bruder in erster Linie – erstaunlich geschmeidig in die deutschschweizer Gegenwart übertragen.
Das hellwache Basler Ensemble spielt Figuren, die gerade in ihren Schwächen unbedingt ernstzunehmen sind: Andrejs Drogensucht, Olgas Ersatzmütterlichkeit, Maschas und Irinas Unfähigkeit, die reale Nähe ihrer Männer auszuhalten, sind bei ...
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Theater heute Mai 2017
Rubrik: Theatertreffen 2017, Seite 4
von Eva Behrendt
Wenn sich Herbert Fritsch Grimms Märchen vornimmt, dann lodert die schwarze Bürgerseele in hellen Wahnsinnsflammen: «Grimmige Märchen» in Zürich.
Ein Stückabdruck nach 93 Jahren: Ödön von Horváths «Niemand», unlängst uraufgeführt in Wien und nachgespielt in Berlin.
Manchmal plant die Redaktion etwas, doch das Leben plant eigenwilligerweise anders. Aber im Juni...
Nun hat der Theatermaler Andreas Kriegenburg sein vorerst letztes Märchen für Frankfurt gefertigt. Hat seine hübschen Schauspieler*innen in pastellfarbene, lichte Kostüme gesteckt und vor eine pittoresk angewitterte Remise gestellt. Man spielt Patrick Marbers «Drei Tage auf dem Land» nach «Ein Monat auf dem Lande» von Turgenjew, etwas Russisches also von heiterer...
Am Ende haben sie dann natürlich gespielt. Das Gastspiel von Milo Raus «Five Easy Pieces» in der Region Paris hat für einen Sturm im Wasserglas gesorgt. Im März stand die Produktion, in der Kinderdarsteller sich mit der Geschichte des belgischen Sexualmörders Marc Dutroux beschäftigen, auf dem Spielplan des Théâtre des Amandiers in Nanterre (vgl. das Porträt in TH...
