Das Strömen der Gedanken
Im Programmheft zu Michael Thalheimers Hamburger Inszenierung des «Zerbrochnen Krugs» wird er ausführlich zitiert, Kleists Aufsatz «Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden». Tatsächlich zeugen ja in keinem anderen Kleistschen Werk Worte so hemmungslos Worte, aus denen Gedanken werden, oder auch mal: Lügen.
Wenn Frau Marthe die Wörter auf den Kopf stellt und ineinander schiebt in ihrer Wut auf die Gerichtsbarkeit, klingt das fast wie Elfriede Jelineks Sprachmaschinerie: «Wer wird mir den geschiednen Krug entscheiden? Hier wird entschieden werden, dass geschieden / der Krug mir bleiben soll. / Für so’n Schiedsurteil / geb ich noch die geschiednen Scherben nicht.» Oder wenn Dorfrichter Adam nach der Nacht seines Sündenfalls stottert: «Zum Straucheln brauchts doch nichts als Füße / auf diesem glatten Boden / ist ein Strauch hier? / Gestrauchelt bin ich hier; denn jeder trägt / den leid’gen Stein zum Anstoß in sich selbst.» Das allmählichen Verfertigen der Gedanken beim Reden ist ein ständiges Sich-selbst-ins-Wort-Fallen und Um-die-Ecke-Gehen, ein Prozess, der, mit Glück, am Ende die Wörter zum Ganzen eines Gedankens rundet.
Wir da oben, die da unten
So allerdings ...
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Theater heute Mai 2017
Rubrik: Aufführungen, Seite 42
von Barbara Burckhardt
Premieren im Mai 2017
Aalen, Theater der Stadt
6. nach Baum, Der Zauberer von Oz
R. Siegfried Hopp
27. Decar, Das Tierreich
R. Marcus Krone
28. nach Kästner,
Emil und die Detektive
R. Arwid Klaws und Anne Klöcker
Altenburg/Gera, TPT
20. Becker, Aldor und Arisha,
Cohn Bucky Levy – Der Verlust (U)
R. Bernhard Stengele
Augsburg, Theater
6. Fuhrmann und Wiegand,
Unruhe im...
Barbara Burckhardt: Shirin Sojitrawalla, Christian Rakow, das erste Jahr in der Theatertreffen-Jury ist überstanden: Haben die Erfahrungen in diesem Jahr Ihren Erwartungen entsprochen, oder hat sich da einiges korrigiert?
Shirin Sojitrawalla: Die Erfahrung ist schon sehr anders als die Erwartung. Ich dachte, man fährt ein Jahr rum, guckt ca. hundert Stücke, und...
Auch nach hundert Jahren läuft Tschechows dramatische Familienlimousine «Drei Schwestern» noch einwandfrei auf vielen Bühnen. Trotzdem zeigt Simon Stone, dass es nicht schadet, das Dialogmaterial generalzuüberholen oder auch gleich gänzlich auszutauschen – bei gleichzeitiger Erhaltung der Karosserie. So kommt es auf der Bühne des Basler Theaters zu kleinen...
