Peer ohne Zwiebel
William Shakespeares entstehungsgeschichtlich umstrittenes und kaum gespieltes Stück «Perikles» gehört dem Genre der «Romanze» an und ist eine ziemlich wilde Räuberpistole. Das Drama beginnt mit einem König, der ganz offensichtlich ein inzestuöses Verhältnis mit seiner Tochter lebt; es spielt auf offenem Meer und im Puff; es gibt Verfolgungsjagden und
Piraten, Mörder und Scheintote – und zum Schluss natürlich ein vollkommen unrealistisches Happy End.
Held Perikles wird von besagtem König verfolgt, erleidet auf der Flucht Schiffbruch, wird gerettet und heiratet.
Seine Frau aber stirbt bei der Geburt der gemeinsamen Tochter auf hoher See, und Perikles wird erst viel später erfahren, dass sie am nächsten Tag an Land gespült und wieder zum Leben erweckt wurde. Die Tochter wiederum überlebt als 15-Jährige einen Mordanschlag – wird dafür aber von Seeräubern entführt und an ein Bordell verkauft. Dort bringt sie übrigens nicht nur das Kunststück zuwege, erfolgreich ihre Jungfräulichkeit zu verteidigen, sie bekehrt – zum Entsetzen der Geschäftsführung – auch die Freier zur Keuschheit.
Stefan Bachmann nimmt den kruden Stoff einerseits zum Anlass für einen verspielten Theater-Trip. Auf der ...
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Theater heute November 2011
Rubrik: CHRONIK, Seite 53
von Wolfgang Kralicek
Liebes «Theater heute»,
«Mut zur Wut!» war Deine Forderung im diesjährigen Jahrbuch. Dieser Aufforderung
möchte ich unverzüglich Folge leisten und an dieser Stelle meine Wut über die Behandlung einer von Dir leider überwiegend ausgesparten Gattung Theaterschaffender, nämlich die des arbeitslosen, pardon, freischaffenden Schauspielers frank und frei herausposaunen....
Hollywood im Bockenheimer Depot. Nur ein paar Schritte aus dem Dunkel des Foyers, und wir sind mittendrin in der Traumfabrik. In einer coolen Villa auf den Hollywood Hills – Sixties-Stil, Swimmingpool und Blick auf die Lichter von L.A. – wird der Geburtstag einer Diva gefeiert. Als Gäste der Party «mit all diesen wichtigen Leuten» dürfen die Zuschauer dabei sein....
Neulich hat ein Wiener Philosoph wieder eine Kulturrevolution ausgemacht. Seit Mitte der Neunziger beobachtet Robert Pfaller einen öffentlichen «Beleuchtungswechsel». Dabei geht es um die ziemlich zentrale Frage, «wofür es sich zu leben lohnt», und vor allem um bedeutende Verschiebungen, was die allgemein akzeptierten Antworten betrifft: «Objekte und Praktiken wie...
