Wofür es sich zu leben lohnt
Neulich hat ein Wiener Philosoph wieder eine Kulturrevolution ausgemacht. Seit Mitte der Neunziger beobachtet Robert Pfaller einen öffentlichen «Beleuchtungswechsel». Dabei geht es um die ziemlich zentrale Frage, «wofür es sich zu leben lohnt», und vor allem um bedeutende Verschiebungen, was die allgemein akzeptierten Antworten betrifft: «Objekte und Praktiken wie Rauchen, Alkoholtrinken, Sexualität, die bis dahin glamourös, elegant und großartig lustvoll erschienen, werden seither als eklig, gefährlich und politisch fragwürdig wahrgenommen.
» Die Sache hat auch eine demografische Komponente. Wir leben immer gesünder und nachhaltiger, damit wir länger leben. Aber wofür wollen wir eigentlich so lange leben, wenn das Leben keinen Spaß mehr machen darf? Gesundes, freudloses Altern als Selbstzweck?
Folgt man Pfaller, müsste «Emilia Galotti» das Stück der Stunde sein. Von Tabak und Alkohol ist im Hause Galotti gar nicht erst die Rede, und Spaß an der Sexualität ist in diesem Trauerspiel der Grund allen Verderbens. Bekanntlich endet das Stück mit einem vernichtenden Triumph bürgerlicher Tugend. Die hübsche Galottitochter, vom örtlichen Prinz umworben, bittet ihren Vater, sie doch ...
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Theater heute November 2011
Rubrik: AUFFÜHRUNGEN, Seite 16
von Franz Wille
Liebes «Theater heute»,
«Mut zur Wut!» war Deine Forderung im diesjährigen Jahrbuch. Dieser Aufforderung
möchte ich unverzüglich Folge leisten und an dieser Stelle meine Wut über die Behandlung einer von Dir leider überwiegend ausgesparten Gattung Theaterschaffender, nämlich die des arbeitslosen, pardon, freischaffenden Schauspielers frank und frei herausposaunen....
Die Intendanzen am Residenztheater München und am Düsseldorfer Schauspielhaus suchen neue Perspektiven
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nächster Stückabdruck: Iwan Wyrypajew "Illusion"
Die Theaterzeitschrift im 52. Jahrgang
Gegründet von Erhard Friedrich und Henning Rischbieter
Impressum
Herausgeber
Friedrich Berlin Verlag
Redaktion
Eva Behrendt
Barbara Burckhardt
Franz Wille...
Wunsiedel in Oberfranken hat einen guten Ruf (Luisenburg-Festspiele für roman-tische Kulturtouristen) und einen schlechten (Rudolf-Hess-Grab für holzköpfige Nazi-Wallfahrer). Für Moritz Schoppe, widerwilliger «Held» in Michael Buselmeiers neuem Roman, kommt noch eine dritte Eigenschaft hinzu: Wunsiedel ist «finster». Denn denkt Schoppe, der an einem durchaus...
