Niemandes Geschöpf
Was für ein Trip! In den gut zweieinhalb Stunden, die die Performance «Nächstes Jahr in Tskaltubo» im Berliner Theaterdiscounter dauert, haben die Regisseurin und Schauspielerin Eva Löbau, der Videokünstler Philipp Haupt sowie ihre zwei georgischen Gastspielerinnen das Publikum nicht nur mit Videobildern, Fundstücken, Interviewschnipseln, Gästebucheinträgen, Reiseberichten und einer selbstkritischen Projektreflexion in das einstige Sowjet-Sanatorium Schachtjor im georgischen Tskaltubo eingeführt.
In großen Assoziationssprüngen haben sie außerdem den Kalten Krieg, die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl und die deutsch-deutsche Wiedervereinigung aus Schülerinnenperspektive durchgearbeitet sowie ein verlassenes Parallelsanatorium im Schwarzwald aufgetan, wo Eva Löbau seit letztem Herbst als «Tatort»-Kommissarin Franziska Tobler ermittelt.
Einmal Ausufern bitte!
Obwohl sich die Faszination für die verblichene sozialistische Erholungskultur auf der improvisierten Bühne zwischen Klavier und Technik-Pult unbedingt vermittelt, hätte «Nächstes Jahr in Tskaltubo» ein gewisser Killerinstinkt in Sachen Darlings gut getan. Doch im Berliner Café Bravo, wo wir uns zum Gespräch treffen, insistiert ...
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Theater heute April 2018
Rubrik: Akteure, Seite 36
von Eva Behrendt
Beim Schlendern über das verschneite Niemandsland irgendwo zwischen Stadtautobahn und dem multikulturellen Kiez Oberhausen-Süd kann man selbst bei winterlichen Minusgraden ins Schwärmen geraten: So viel freier Platz für Kunst, davon können Städte dieser Größenordnung – Augsburg hat derzeit knapp 300.000 Einwohner – meist nur träumen. Hier im Nordosten, zugegeben...
Der Prinz von Marokko ist in Shakespeares «Kaufmann von Venedig» der dritte Heiratskandidat, der sich vor der schönen und reichen Portia zum Affen macht. Nach dem Prinz von Hannover (Ilja Harjes als Ernst-August-Parodie mit ausgepolstertem Arsch in zu engen Jeans) und dem Prinz aus Kasachstan (Garry Fischmann nackt unter Fellmütze und -weste) tritt Zainab Alsawah...
Dieser Blick, überlegen, lauernd, unheimlich – dass der Kerl im Seidenanzug beruflich irgendwas mit schwarzer Magie macht, glaubt man sofort. Tartini heißt der zwielichtige Zampano aus Thomas Arzts neuem Stück «Die Anschläge von nächster Woche». Dominik Lindhorst-Apfelthaler spielt ihn in der Heidelberger Uraufführung mit einer Spur von Wahnsinn in den immer etwas...
