Leipzig: Puppen gegen Menschen
In einer Regieanweisung zu Pirandellos bekanntestem Stück heißt es, man solle versuchen, dass die Personen, die den Autor suchen, nicht mit der Schauspieltruppe verwechselt werden können. Regisseur Moritz Sostmann hat sich dies offenbar sehr zu Herzen genommen. Er ersetzt die suchenden Personen allesamt durch Puppen, die von Puppenspielern geführt werden, und lässt sie mit den Schauspielern in Dialog treten.
Die Verdrehtheitsskala von Luigi Pirandellos «Sechs Personen suchen einen Autor» wird damit weiter nach oben geschraubt, illustriert aber zugleich den eher abstrakten Konflikt, der hier zwischen Puppen-Figuren und Menschen-Darstellern ausgetragen wird. Zudem verlegt Sostmann das Ganze auf die Hinterbühne und öffnet den eisernen Vorhang, so dass der gesamte Saal zum Spielraum wird – obligatorisches Regiepult im Parkett inklusive.
Sostmann ist kein Puppen-Ersttäter. Der Hausregisseur am Schauspiel Köln hat dort bereits zahlreiche Dramen der Weltliteratur in die Schauspiel-Puppenspiel-Melange gebracht, etwa die beiden Teile des «Faust» oder Brechts «Der gute Mensch von Sezuan». Am Schauspiel Leipzig aber ist es sein Debüt, und hier werden die Gliederpuppen ausschließlich von ...
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Theater heute April 2018
Rubrik: Chronik, Seite 57
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