Zürich/Bern: Verlegenheitsritte

nach Robert Menasse «Die Hauptstadt» (U), nach Christian Kracht «Die Toten» (U)

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Ein Schwein rast durch Brüssel. Es ist nicht sicher, ob es ein Einzelschwein ist oder eine ganze Herde, noch nicht einmal, ob es das Schwein wirklich gibt oder ob es nicht doch ein Phantomschwein ist.

Aber es wirbelt Europas «Hauptstadt» im buchpreisgekrönten Roman von Robert Menasse gehörig auf – im Verbund mit einer Reihe weiterer mehr oder weniger durch- und einsichtiger Geschehnisse im Verlauf regnerischer Tage, dem präzisen Fehlschuss eines christlichen Untergrundkämpfers aus Polen etwa oder den nicht so präzisen Ideen für ein Europa-Ju­biläum der Union, Ideen zur Überwindung der Nationalstaaten vor der mahnenden Folie von Auschwitz und als Kontrapunkt dazu ein zunehmend bedrohlich wirkender Demon­strations­aufmarsch des europäischen «Volks».

Die Perspektive wechselt fortwährend: Das macht viel vom Reiz in Menasses «Hauptstadt» aus, dass er wie in einem Kaleidoskop an einer Vielzahl von Orten eine Vielzahl Figuren durcheinander schüttelt. Für ein Theater wie das Neumarkt mit seinem kleinen Ensemble ist das eine Herausforderung – Tom Kühnel begegnet ihr in dieser Uraufführung mit heftiger Überzeichnung.

Da wird polnisch genäselt und österreichisch geknödelt, der Schweinezüchter ...

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Theater heute April 2018
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Andreas Klaeui

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