Mythos in Therapie
Roland Schimmelpfennig hat aus der epischen Vorlage der «Argonautika» von Apollonios von Rhodos in mehr als zwei Jahren sechs neue Theatertexte entwickelt, die in der Spielzeit 2026/27 am Deutschen Schauspielhaus Hamburg als Antikenserie «FREMDE SONNE. Die Argonauten. Iason. Medea.» zur Uraufführung gebracht werden.
«Im Reich der Sonne ist es immer dunkel.» Mit diesem Satz schickt uns Roland Schimmelpfennig auf die Reise ins ferne Kolchis an der Schwarzmeerküste, im heutigen Georgien gelegen.
Das Ziel der berühmt-berüchtigten Argonautenfahrt, die der – ja, was? – Rückholung?, Eroberung?, des schnöden Diebstahls? eines sagenhaften goldenen Vlieses gewidmet war, und die als erste panhellenische Unternehmung noch vor der Odyssee in die Mythenschreibung der Antike eingegangen ist, entpuppt sich bei Roland Schimmelpfennig als Krankenstation.
In «FREMDE SONNE» ist die Gesellschaft krank. Es mangelt ihr an einer zukunftsfähigen Vision einer lebbaren Welt. Der Aufbruch zu neuen Ufern in anderen Welten erscheint als einzige Lösung am Horizont. Es ist die Geburtsstunde des Argonauten-Mythos, der bei Roland Schimmelpfennig allerdings auf Erlösung in der Psychiatrie wartet. Mit der ...
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Theater heute Jahrbuch 2026
Rubrik: Neue Stücke, Seite 152
von Sybille Meier
Die erste Pointe lauert im Titel selbst. Wir sind scheinbar konfrontiert mit einem Kalenderkalauer: Alles Komische ist tragisch. Komik und Tragödie erklären sich gegenseitig. So einfach. So frech. So irreführend. So programmatisch.
Jedoch, der Autor Canberk Köktürk interessiert sich in seinem ersten Theaterstück, das als Auftragswerk für das Düsseldorfer...
Sie arbeitet. Sie arbeitet im Haushalt. Sie arbeitet an der Beziehung. Sie arbeitet an sich. Sie kümmert sich. Sie kümmert sich um die Kinder. Sie kümmert sich um die Geburtstagsgeschenke. Sie kümmert sich um das emotionale Wohlergehen ihres Umfelds. «Und nie sagt irgendjemand. Hey, das war gut.» Sie bekommt nichts dafür, außer einer Depression, einem Burnout.
«Was...
Wenn ich an die letzten sieben Jahre meiner Arbeit denke, denke ich automatisch an Paulina. Mit ihr verbindet mich eine der wichtigsten Arbeitsbeziehungen meines bisherigen Theaterlebens. Schon in den ersten Proben hatte ich das Gefühl, dass wir eine ähnliche Vor -stellung davon haben, was Schauspiel eigentlich sein kann. Dass uns beide interessiert, einer Figur so...
