Mord im Wald

Nach Andrea Maria Schenkel «Tannöd»

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Wenn die grell leuchtenden Kreuze gleich am Anfang in den Schnürboden hinaufgezogen werden, heißt das nicht, dass fortan das rationale Denken auf der Bühne walten wird. Im Gegenteil. Die Zeichen der Kirche sind zwar verschwunden, aber in den Köpfen der Menschen bleiben (Aber-)Glaube und Bigotterie eingebrannt.

Andrea Maria Schenkels Erfolgsroman «Tannöd» ist sicher mehr als nur eine Kriminal­geschichte, in der es um einen sechsfachen Mord auf einem Einödhof und um die nie zu Ende gebrachte Aufklärung der Schreckenstat in den 20er Jahren geht.

Dies allein wäre Stoff für eine reißerische Schande- und Schollen-Story aus dem leicht hügeligen und sehr hermetischen Oberbayern, eine Heimat-Räuberpistole fürs Heftchenformat. Schenkel interessierte sich vielmehr für das Schweigen und vor allem das Verschweigen, das in einer scheinbar intakten Gemeinschaft ausbricht wie eine Krankheit, wenn das Unvorhersehbare die fragile Ordnung erschüttert: Die frischen Leichen bitten die im Keller verscharrten zum Tanz.

Was sich zeigen ließe, wäre das Psychogramm einer gefährlich dumpfen Gesellschaft, in der jede einzelne Figur an ihrer Schuld zu ersticken droht und vor dem Hintergrund eines entsetzlichen ...

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Theater heute Dezember 2008
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Bernd Noack

Vergriffen
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