Mord im Wald
Wenn die grell leuchtenden Kreuze gleich am Anfang in den Schnürboden hinaufgezogen werden, heißt das nicht, dass fortan das rationale Denken auf der Bühne walten wird. Im Gegenteil. Die Zeichen der Kirche sind zwar verschwunden, aber in den Köpfen der Menschen bleiben (Aber-)Glaube und Bigotterie eingebrannt.
Andrea Maria Schenkels Erfolgsroman «Tannöd» ist sicher mehr als nur eine Kriminalgeschichte, in der es um einen sechsfachen Mord auf einem Einödhof und um die nie zu Ende gebrachte Aufklärung der Schreckenstat in den 20er Jahren geht.
Dies allein wäre Stoff für eine reißerische Schande- und Schollen-Story aus dem leicht hügeligen und sehr hermetischen Oberbayern, eine Heimat-Räuberpistole fürs Heftchenformat. Schenkel interessierte sich vielmehr für das Schweigen und vor allem das Verschweigen, das in einer scheinbar intakten Gemeinschaft ausbricht wie eine Krankheit, wenn das Unvorhersehbare die fragile Ordnung erschüttert: Die frischen Leichen bitten die im Keller verscharrten zum Tanz.
Was sich zeigen ließe, wäre das Psychogramm einer gefährlich dumpfen Gesellschaft, in der jede einzelne Figur an ihrer Schuld zu ersticken droht und vor dem Hintergrund eines entsetzlichen ...
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Zurzeit ist es schwierig, jemanden aus der New Yorker Theaterwelt ans Telefon zu bekommen. Seit zwei Monaten redet die Stadt über nichts anderes als den Zusammenbruch der Wall Street, den globalen Finanz-Meltdown, steigende Arbeitslosenzahlen und die anstehende Kreditkartenkrise. Erst seit der Wahlnacht ist die Stimmung besser, und die Obama-Euphorie möchte man...
This murder stuff turns you on?», vergewissert sich Wayne, bevor er Brad, dem er sich selbst als Mörder vorschlägt, einen Film zeigt, in dem er an der Ermordung eines Teenagers beteiligt ist. Wir befinden uns mitten in Gisèle Viennes Puppenspiel «Jerk» und in einem Text, den der junge Solo-Performer Jonathan Capedevielle im Publikum verteilt hat. Waynes Frage an...
Bombastische Rockmusik. Das Skelett einer Kirche. Nebelschwaden. Ein einsamer Männerschatten zeichnet sich am Bühnenhorizont ab, wandert nach vorn an die Rampe und sagt «Krieg». «Krieg, Krieg, Krieg, Krieg, Krieg.» Die Platte des Propheten hängt. Peter René Lüdicke artikuliert weitere zweihundert Mal «Krieg», gefolgt von heikleren «Hungersnöten» und...
