Wir sind Bohème

Sebastian Hartmann pumpt viel Nebel ins Schauspiel Leipzig, unterzieht es aber auch einer Verjüngungskur. Und landet seinen ersten Volltreffer mit Jürgen Kruses Molière-Inszenierung «Don Juan»

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Bombastische Rockmusik. Das Skelett einer Kirche. Nebelschwaden. Ein einsamer Männerschatten zeichnet sich am Bühnenhorizont ab, wandert nach vorn an die Rampe und sagt «Krieg». «Krieg, Krieg, Krieg, Krieg, Krieg.» Die Platte des Propheten hängt. Peter René Lüdicke artikuliert weitere zwei­hundert Mal «Krieg», gefolgt von heikleren «Hun­gersnöten» und zungenbrecherischen «Naturkatas­trophen».

Ein gleißendes Neonkreuz senkt sich vom Bühnenhimmel, Lüdicke ist plötzlich Jesus, und bevor ihn sein vermeintlicher Schutzengel (Henrike von Kuick) vom Kreuzweg abbringt und splitternackt im Dampfbad verführt, greift er zum Vorschlaghammer und lässt ihn so lange auf den Kunststoffplattenboden brettern, bis die ersten Reihen in Deckung gehen.

Wahrlich, es ist ein Leidensweg, den das Publikum zur Eröffnung von Sebastian Hartmanns Leipziger Intendanz am eigenen Sitzfleisch nachvollzieht. Erbarmungslose fünf Stunden dauert sein Tryptichon «Matthäuspassion», das ruhig und dunkel mit einer Kammerspielfassung von Ingmar Bergmans «Die Abendmahlsgäste» begonnen hat, bei Ibsens «Brand» halbwegs heiß gelaufen und nun in eine brachiale Performance gemündet ist, die das Evangelium grell mit Motiven aus ...

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Theater heute Dezember 2008
Rubrik: Start, Seite 43
von Eva Behrendt

Vergriffen
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