Oscar Wilde: «Bunbury»

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Pleasure, pleasure, pleasure sind die Losungsworte dieser Gesellschaft, die ihren Zenit auch schon überschritten hat. Doppelleben und -moral sind übliches Tagesgeschäft. Liebe nur mehr eine ro­mantische Illusion. Sehnsuchtsträume können allenfalls durch sprechende Vornamen oder Taufregister gestillt werden. Rauchen geht im Tätigkeitsbericht als Arbeit durch, und Gurken-Sandwiches sind meinungsbildend. Etikette ist keinesfalls Selbstzweck, sondern Lebensanspruch geworden.

Geld dient dem Verjuxen – wenn man nicht gerade auf einem Bahnhof oder in einer Reisetasche auf die Welt gekommen ist. Die Familie, der richtige Stallgeruch, sollten stets stimmen, Bildung ist völlig sekundär, chic sein ist alles. Charakter braucht man letztlich, um sein anderes «Ich» zu erfinden, damit die Grenzen der eigenen Lust- und Moralvorstellungen geweitet werden und bestenfalls eben für den anderen gültig bleiben. «Ich» und «Es» auf der Suche nach dem nächsten Kick, nichts gilt mehr, alles kann behauptet werden. Und schon gehen Erziehung und Kirche höchst eigennützige erotische Verwicklungen ein, und selbst­verfasste Trivialliteratur wiegt mehr als Schutzbefohlene. Ein Spiel ohne Grenzen, mit ...

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Theater heute Dezember 2008
Rubrik: Finanzmarkt Spezial, Seite 13
von Andreas Beck

Vergriffen
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