Mittlerin zwischen Kunst und Wissenschaft

Zum Tod der Dramaturgin und Theaterwissenschaftlerin Anke Roeder

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Es ist noch nicht lange her, da fand in München keine wichtige Premiere ohne sie statt, und wenn man im Anschluss in der Kantine des Staatsschauspiels, im Garten des Volkstheaters oder im Blauen Haus der Kammerspiele nicht auf Palaver, sondern auf ein intensives Nachgespräch aus war, manchmal durchaus kämpferisch mit intellektuellen Bandagen, brauchte man sich nur an ihren Tisch zu setzen und konnte die frisch gefassten Thesen zum Stück mit Anke Roeders argumentativem Elan, Zigarettenrauch und reichlich Rotwein auf ihre Haltbarkeit testen.

 

Den Graben zwischen Kunst und Wissenschaft verkleinern und ihr Metier, die Dramaturgie, als eine analytische und zugleich künstlerische Tätigkeit erkennen, die beide Vermögen ebenbürtig nebeneinanderstellt, war zeitlebens ihr Anspruch und Bemühen. In Erscheinung und Auftreten – wehend vehement und liebenswürdig kapriziös – konnte man sie deutlich eher dem Feld der Kunst zuordnen. Sie widerlegte das Vorurteil von der Theaterwissenschaft als grauer Theorie schon mit der Farbpalette ihrer wallenden Garderobe – rouge et noir und wenig dazwischen. 

Geboren am 26. Juli 1939 in Hamburg, fing sie nach dem Studium der Literaturwissenschaft, Philosophie ...

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Theater heute 11 2022
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Silvia Stammen

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