Männer im Zentrum des Zusammenbruchs
Schlechte Zeiten für Helden beim Spielzeitauftakt am Schauspiel Nürnberg. Don Karlos ist und bleibt der im politischen Familienkampf Unterlegene; Odysseus taugt nicht zum mutigen Vorbild: zwei Männer mithin, die in den Inszenierungen Opfer der Verhältnisse und auch der Frauen werden. Da können sie noch so auf Ehre und Moral pochen, mögen sich herausreden und ihre strategischen und seelischen Notlagen schön -reden wollen: Am Ende sind beide entsetzlich allein, Männer am Rande – ach was: mitten im Zentrum des Zusammenbruchs.
Jan Christoph Gloger lässt den spanischen Adligen ohne Mitleid ins offene Intrigenmesser laufen, und Cosmea Spelleken missgönnt dem griechischen Feldherrn fast schon lustvoll Stolz und Ehre.
In beiden historischen Fällen aber ist die Hölle die Familie. Denn sowohl Don Karlos wie auch Odysseus stolpern über Machenschaften und Missgunst der nächsten Verwandtschaft, die ihnen einmal die Liebe nicht gönnt, das andere Mal an ihrer Redlichkeit und Wahrheit zweifelt. Nur geschieht das im östlichen Mittelmeer sehr öffentlich in einer Talkshow, im westlichen dagegen fast intim hinter dann doch gar nicht so blickdichten spanischen Wänden.
Dieses Ambiente, das Marie Roth ...
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Theater heute 11 2022
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Bernd Noack
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