Begegnungsstätte mit Bibliothek
Und dann spucken die Nebelmaschinen noch mehr Dampf aus. Rotes Licht legt sich darunter, eine embryoartige Vorhölle, in der ich mich den Bässen hingebe. Nur schemenhaft sind die Darsteller in ihren historischen Amish-People-Kostümen noch zu erkennen, von statuarischer Schönheit und manchmal ekstatischer Gemeinschaft. Zwei halten eine, die sich nach hinten zuckend bis zum Boden raved. Ich gehöre nicht dazu und wiederum doch in einem allumfassenden, menschlichen Sinn, der alles vereint, was irgendwie Haut und Knochen hat.
Es ist auf jeden Fall eine entgrenzende Erfahrung, am dritten Teil von «Respublika» des Litauischen Nationaltheaters teilzunehmen. So weit haben es einst SIGNA nicht getrieben. Oder doch? Der Regisseur, Videokünstler und Raver Łukasz Twarkowski hat sein Re-Enactment und Utopie-Experiment auch zur Ruhrtriennale 2022 gebracht. Am Anfang ist es ziemlich schwer, sich zurechtzufinden, trotz Din-A4-Gebrauchsanweisung; ziemlich planlos streift man durch die aufgebauten Häuschen in der Bochumer Jahrhunderthalle: hier eine für alle geöffnete Sauna (ich traue mich nicht hinein) samt Eiswürfelbassin, da eine Küche, dort ein Schlafzimmer, wo zwei Performerinnen kuscheln. Aber ...
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Theater heute 11 2022
Rubrik: Festivals, Seite 32
von Dorothea Marcus
In der ehemaligen Telux-Glasfabrik ist längst der Kulturbetrieb eingezogen. Das postindustrielle Lounge-Ambiente der Hafenstube beherbergt seit 2017 ein Soziokulturelles Zentrum, gegenüber gedeihen in Hochbeeten Kürbis und Mangold, und zu den bescheidenen Überresten der hier noch ansässigen Glasindustrie gesellen sich Kreativunternehmen wie Holzschmiede und...
Olga Grjasnowas Roman «Der Russe ist einer, der Birken liebt» war vor einigen Jahren ein Bezugspunkt fürs Theater: Yael Ronen inszenierte den Stoff 2013 zur Eröffnung von Shermin Langhoffs Intendanz am Berliner Gorki Theater und setzte so eine erste Duftmarke, wo dieses Theater identitätspolitisch hinwollte. Langhoff schwebte ein Theater für die multikulturellen...
Ganz am Ende entlocken sie dem Macbeth-Stoff tatsächlich noch etwas Neues. Nach gut zweieinhalb Stunden liegt Christian Friedel alias Mac -beth alias Regisseur alias Bandleader im Schoß seiner Mutter (Hannelore Koch), die über die letzten Stunden als Grouch (Programmheft) oder Hekate (Shakespeare/Müller) auf der Bühne zu sehen war. Sie ist damit so etwas wie die...
