Geschichten, die wir uns über uns selbst erzählen
Vier Körper liegen bäuchlings auf einer Rampe, den Kopf voran. Sie tragen lediglich Unterwäsche und scheinen hinab zu stürzen, ins Nichts zu fallen. Nur spärlich wird die Rampe erleuchtet, der Rest der Bühne versinkt im Dunkel. Minutenlang bleibt das Bild eingefroren, scheint unverändert im Dämmerlicht.
Oder rutschen die Leiber? Verschiebt sich das Bild? Ohne dass wir Zuschauer:innen in der Lage wären, diese subtilen Verschiebungen und Verlagerungen zu erkennen?
In «Still not Still» arbeitet die Choreografin und Performerin Ligia Lewis konsequent an den Grenzen der Wahrnehmung. Und dies auf vielen Ebenen: Beginnend bei der Sichtbarkeit auf einer stets nur knapp erhellten Bühne, im funzeligen Dämmerlicht von Lampen und Scheinwerfern, die auch von den Performer:innen selbst bewegt und ausgerichtet werden. So findet das Bühnengeschehen stets nur im Halbdunkel statt, im Möglichkeitsraum an der Schwelle zwischen Tag und Nacht, wo alle Katzen grau sind und das Publikum stets ein Stück weit im Ungewissen darüber, wo es sich eigentlich befindet.
Und dann ist da, irritierender noch, die Verunsicherung, wer eigentlich die sieben Performer:innen sind, mit denen wir es zu tun haben – und in ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute 11 2022
Rubrik: Festivals, Seite 40
von Esther Boldt
«Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners»
Heinz von Foerster
Wir sind hier im Theater, und da hat die Wahrheit ihre Grenzen», sagt der Theaterdirektor in Pi -randellos Stück «Sechs Personen suchen einen Autor». Das gilt natürlich erst recht für das «Theatre of War», wie man im Englischen den Kriegsschauplatz bezeichnet. Dort stirbt bekanntlich die Wahrheit zuerst....
Plötzlich fügt sich das Puzzle doch zusammen, verknüpfen sich die losen Enden. Was haben der Borkenkäfer, Fichten-Monokulturen, der Holzvollernter und die Ökosystemdienstleistungsgebiete, was die ausgestorbenen Arten, Nachhaltigkeitsprobleme und Trockenheit, nicht zu vergessen apokalyptische Naturphilosophie mit der Krankenhaus- und Psychiatrielinie zu tun, die...
Der Regisseur und Intendant Christoph Schroth, der im September nach langer Krankheit starb, zählte zu den wichtigen, unorthodox marxistisch argumentierenden Theaterleuten der DDR, dem die große Karriere eines Benno Besson oder Giorgio Strehler versagt blieb, dessen Inszenierungen erst sehr spät zu Auslandsgastspielen und zum Westberliner Theatertreffen eingeladen...
