Geschichten, die wir uns über uns selbst erzählen
Vier Körper liegen bäuchlings auf einer Rampe, den Kopf voran. Sie tragen lediglich Unterwäsche und scheinen hinab zu stürzen, ins Nichts zu fallen. Nur spärlich wird die Rampe erleuchtet, der Rest der Bühne versinkt im Dunkel. Minutenlang bleibt das Bild eingefroren, scheint unverändert im Dämmerlicht.
Oder rutschen die Leiber? Verschiebt sich das Bild? Ohne dass wir Zuschauer:innen in der Lage wären, diese subtilen Verschiebungen und Verlagerungen zu erkennen?
In «Still not Still» arbeitet die Choreografin und Performerin Ligia Lewis konsequent an den Grenzen der Wahrnehmung. Und dies auf vielen Ebenen: Beginnend bei der Sichtbarkeit auf einer stets nur knapp erhellten Bühne, im funzeligen Dämmerlicht von Lampen und Scheinwerfern, die auch von den Performer:innen selbst bewegt und ausgerichtet werden. So findet das Bühnengeschehen stets nur im Halbdunkel statt, im Möglichkeitsraum an der Schwelle zwischen Tag und Nacht, wo alle Katzen grau sind und das Publikum stets ein Stück weit im Ungewissen darüber, wo es sich eigentlich befindet.
Und dann ist da, irritierender noch, die Verunsicherung, wer eigentlich die sieben Performer:innen sind, mit denen wir es zu tun haben – und in ...
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Theater heute 11 2022
Rubrik: Festivals, Seite 40
von Esther Boldt
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