Lücken bleiben
Direkt neben der Keupstraße, dem Ort des NSU-Nagelbombenanschlags von 2004, liegen seit 2014 die Spielstätten des Schauspiels Köln. Die Verankerung des Schauspiels in diesem wenig beachteten Stadtteil am Rande Kölns wurde vor allem dadurch erreicht, dass der damalige Chefdramaturg Thomas Laue und Regisseur Nuran David Calis den zehnten Jahrestag des Anschlags zum Anlass für ein Theaterprojekt mit Anwohnern der Keupstraße nahmen.
So entstand «Die Lücke»; drei türkischstämmige Anwohner standen drei Schauspieler:innen gegenüber und debattierten über Rassismus und Rechtsradikalismus in Deutschland. Damit war das Schauspiel Köln ein Vorreiter der Aufarbeitung der NSU-Morde im Theater.
Heute, 10 Jahre nachdem der NSU, die Täter von damals, sich selbst enttarnten, haben 15 Theater in den Städten der NSU-Taten das Projekt «Kein Schlussstrich!» organisiert. Der Kölner Beitrag ist die Aktualisierung von Nuran David Calis’ Produktion, nun also «Die Lücke 2.0». Schließlich gab es inzwischen «NSU 2.0», die rechtsradikalen Drohbriefe, die Hanauer Morde, den Mord an Walter Lübcke, den Abschluss des NSU-Prozesses in München. Rechtsradikalismus ist nicht verschwunden und auch nicht ungefährlicher ...
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Theater heute Januar 2022
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Gerhard Preußer
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