Intendanten küsst man nicht
Intendanten sind auch Menschen» – mir schießt die Schamröte ins Gesicht. «Es sind ja nur 200 Mark im Monat mehr Gage, die ich will, weit unter dem Kollektivvertrag der Müllabfuhr.» Die 70er waren düstere Jahre, aber die Straßen der Künstler glitschig, ausrutschen hieß noch nicht untergehen, und Nacktheit wurde zur verspielten Erotik. Die Nebel zogen durch die Straßen Hamburgs, lösten sich auf und legten die Spuren der Sehnsucht einer gierigen Nacht frei.
Mein Hamburger Intendant, landesweit gerühmt als der Klügste seines Fachs, ließ seinen Kopf im Intendantenbüro auf den Schreibtisch sinken. Mit der rechten Hand verdeckte er seine Stirn und atmete etwas zu dramatisch. Kein günstiger Moment, mehr Gage zu verlangen, dachte ich mir, während der Intendant langsam seinen Kopf anhob und mir demonstrativ sein Blut auf der Stirn zeigte, als würde er sagen: «Wie können sie es nur wagen, 200 Mark Gagenerhöhung zu verlangen!»
Dann nahm er die Hand von den Augen, und erst jetzt wurde die Tragik eines Intendantenlebens sichtbar. Zwei Tränen, für jede mussten es wohl 100 deutsche Mark gewesen sein, kullerten im Rhythmus eines Mozartwalzers über sein zartes Gesicht und benetzten meinen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Peter Kern, Seite 36
von Peter Kern
Luton ist eine mittelgroße Stadt in Mittelengland. Die letzte Industrieproduktion schloss 2002 ihre Werkstore, allein der Flughafen mit den Starts der Billigflieger wächst. Luton wurde im II. Weltkrieg großflächig von deutschen Bomben zerstört.
Ein Sommernachmittag in Luton, eine Schülerin wird von ihrem Freund von der Orchesterprobe abgeholt. Der Freund ist ein...
Jeder kennt sein Spezial-Ärgernis, aber gibt es auch einen Konflikt, der uns alle etwas angeht? Und wenn ja, wie viel? Und was bedeutet das fürs Theater?
Ein Blick auf die Konfliktlagen der letzten Saison und in die «Süddeutsche Zeitung» vom 28. März. Über die Münze der Größe, die Meister der Partikularisierung, politische Konfliktvermeidung, Freunde suchen, große...
Das Schauspiel Köln ist Meister in allen Klassen: Im Theater des Jahres spielt die Schauspielerin des Jahres, Lina Beckmann, und Intendantin Karin Beier hat die Inszenierung des Jahres, Elfriede Jelineks «Das Werk/Im Bus/Ein Sturz», eingerichtet. Zuverlässig im Hintergrund steht Chefdramaturgin Rita Thiele: ein Porträt!
