Leipzig Diskothek, Schauspielhaus: Geschlossene Räume der offenen Gesellschaft
Der so genannte Lockdown war sicher eine der prägendsten Erfahrungen des Jahres 2020. Auch Theaterleute hat er so stark beeindruckt, dass sich in Leipzig die Bühnebildnerinnen Irina Schicketanz und Julia Nussbaumer für zwei sehr unterschiedliche Stoffe beide am Konzept des geschlossenen Raumes bedienen, wobei Schicketanz’ Modell eine Nummer radikaler ausfällt.
Nussbaumer hat für die Uraufführung von Magdalena Schrefels «Ein Berg, viele» eine Art Museumsdepot geschaffen.
In diesem stehen die vier Schauspieler zu Beginn in Plexiglaskästen, nur ein paar Ausstellungsstücke zusammen mit merkwürdiger Phallus-Kunst, einem gelben Mammut, einem Holzzebra, einer goldenen Banane und drei bunten Masken. Ethnologie trifft Pop-Art. Ein klaustrophobischer, kalter Raum mit metallischen Wänden und einer Decke, die sich öffnen und schließen kann, wobei der nach unten sinkende Nebel an noch mehr Kälte denken lässt.
Es geht um den kolonialisierenden Blick des Europäers, die Vorstellung der weißen Männer von weißen Landkarten, auf denen wahlweise Löwen vermutet oder Berge erfunden werden müssen, um stimmige Flussläufe zu generieren. Letzteres ist eine historisch verbürgte Anekdote zur Erkundung des ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2021
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Torben Ibs
Katholiken tragen von Geburt an die Erbsünde in sich, können am Samstag aber zur Beichte gehen, schon am Sonntag mittags unbefleckt den Leib Jesu Christi empfangen und am Montag getrost weiter sündigen. Kommt man dagegen als Protestant zur Welt, gibt es keine Erbsünde, man ist aber angehalten, ein Leben lang Schuld zu begleichen. Gearbeitet wird nicht um reich zu...
Der Berliner Oranienplatz könnte noch einiges machen aus seinem Talent zum öffentlichen Ort. Das liegt hauptsächlich am um- und querlaufenden Verkehr, der die angrenzenden Cafés an die Seite drückt, statt sie Richtung Platzmitte rücken zu lassen. Aber auch die sogenannten Grünflächen sind so räudig und plattgelatscht, dass sie zu wenig mehr als zur...
«Warum hört ihr bei Corona der Wissenschaft zu, und beim Klimawandel nicht? Die Gefahr ist doch die gleiche: Es lauert der Tod. Nur für viel mehr Menschen», fragt die 18-jährige Lei, und der 13-jährige Kester legt nach: «Warum sollen wir für eine Zukunft lernen, wenn niemand etwas unternimmt, um diese Zukunft zu retten?» Riesige Projektionen junger...
